[Filme] Season of the Horse


Ein Pferd ist nur ein Pferd.


Urgen (Ning Cai) lebt mit seiner Frau Yingjidma (Narenhua) und dem gemeinsamen Sohn Huhe (Agu Damu) in der mongolischen Steppe, die einst grün war und blühte. Doch mehr und mehr hält das moderne Leben und die chinesische Politik in ihrem Leben Einzug, jahrelange Dürren haben die Steppe in eine Wüste verwandelt. Die Viehhüter ziehen in die Stadt, die Schafe verhungern. Doch Urgen bleibt stark, er will seine Heimat nicht verlassen. Aber das Geld reicht nicht einmal mehr, um das Schulgeld für Huhe zu bezahlen. Der einzige Ausweg scheint, Urgens Pferd zu verkaufen. Das kommt für ihn aber auf keinen Fall in Frage...!

Diesen Film habe ich per Zufallsprinzip (Random.org) in der Bibliothek "ausgewürfelt", ansonsten hätte ich den Titel nie mitgenommen. Er hätte mich eigentlich gar nicht angesprochen, wahrscheinlich hätte ich ihn übersehen. Doch gleich der erste Spielzug zeigt, dass dieses neue Prinzip funktioniert und versteckte Perlen zutage fördert.

Denn "Season of the Horse" ist ein eindringlicher und unvergesslicher Film.

Ich gebe zu, ich weiss sehr wenig über die Mongolei. Ein bisschen was ist mir aus einigen Büchern geblieben, ansonsten geistert dieses Land immer eher irgendwo auf der Landkarte herum. Von seiner Geschichte wissen wir auch eher wenig, gerade mal, dass China damit zu tun hat.

Hier nimmt sich nun Regisseur Ning Cai die  Zeit, um in seinem Film den Einfluss der modernen Welt (in Form Chinas und dessen Politik) auf das Leben der mongolischen Nomaden aufzuzeigen. Dass es sich hierbei nicht um einen Film handelt, den man einfach so schauen und dann vergessen kann, sollte offensichtlich sein.

Dabei ist das Pferd nicht nur titelgebend, sondern auch ein sehr starkes Symbol in der Handlung. Urgens Pferd ist alt, kann also seinen eigentlichen Zweck nicht mehr erfüllen. Dennoch verkauft er es nicht, schlachtet es nicht. Die tief die Verbindung ist, zeigt sich im Verlauf des Filmes. Daneben steht das Pferd auch für die vergangene glorreiche Zeit der Nomaden. Eine Zeit, die unwiederbringlich vorbei ist.

"Season of the Horse" lebt davon, dass die Geschichte ruhig, aber intensiv erzählt wird. Als Europäer erhält man einen unvergleichlichen Einblick in ein uns völlig fremdes Leben, dem hier eine kleine Ode gewidmet wird. Cai zeigt daneben auch den Lärm und die Enge der Stadt auf - ein ganz und gar anderes Leben. Kann jemand, der in der Steppe gross geworden ist, dort überhaupt Fuss fassen?

Diese Frage beantwortet der Film nicht. Wir müssen/können uns selbst ausmalen, wie Urgens Leben weiter verlaufen wird. Aber ich hoffe, dass der kleine Huhe nicht mehr weinen muss, weil seine Eltern kein Geld für die Schule haben. Auch ein Bild, das sich mir eingeprägt hat: ein Kind, das weint, weil es nicht zur Schule kann.

Bechdel-Test: nicht bestanden
Im Film kommen sehr wenige Figuren vor. Weibliche noch weniger als männliche, eigentlich nur Yingjidma. Dies kann natürlich durch die Lebensumstände bedingt sein. Toll fand ich es, dass bei einer Dorfversammlung eine stillende Mutter in der Gruppe gezeigt wurde. Sowas ist bei uns ja eher noch ein Tabu. Dort sass die Frau inmitten der Männer und stillte in aller Ruhe ihr Kind.

Lieblingsszene: Einerseits jene, in der Huhe dem Pferd ein Gedicht vorliest. Andererseits jene, in der sich Urgen betrinkt. So viel Einsamkeit und Verzweiflung...

Leider keinen Trailer gefunden

Produktionsland: Mongolei
Originalsprache: Mongolisches Chinesisch
Originaltitel: Jifeng Zhong De Ma
Regisseur: Ning Cai
Laufzeit: 105 Minuten
FSK: ab 0
Erscheinungsjahr: 2005

Kommentare :

  1. Das kenn ich sehr gut, ich habe auch bereits über diverse verspielte Wege einige Perlen auffassen können.

    Zu diesem Film hier:
    Die Story liest sich jedenfalls sehr süß, das war jedenfalls mein erster Gedanke.

    LG
    Stephan

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    1. "Süss" trifft es wohl nicht ganz, dafür ist der Film zu real (und auf dem Boden der Tatsachen ist es hart). Aber "herzerwärmend", das wiederum würde ganz gut passen :)

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    2. 'Süß' war mein erster Gedanke, als ich deine Synopsis las.

      LG
      Stephan

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    3. Das ist auch irgendwie süss ;)

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