[Filme] Ich seh, ich seh




Du bist nicht unsere Mama!

Die Jungen Lukas und Elias (Lukas & Elias Schwarz) kehren nach Hause zurück, nachdem ihre Mutter (Susanne Wuest) eine aufwendige Gesichtsoperation überstanden hat.

Doch die Mutter verhält sich auf einmal sehr merkwürdig, ist grob und ignoriert Lukas völlig. Mehr und mehr distanzieren sich die Jungen von ihr und langsam kommt in ihnen der Verdacht auf, dass die Mama nicht mehr die Mama ist.

So machen sich Lukas und Elias daran, die Wahrheit herauszufinden. Wo ist die Mama?

In letzter Zeit entdecke ich das Kulturschaffen Österreichs für mich. Sei es nun der Film "Blutgletscher" oder die Bücher von Zach & Bauer. "Ich seh, ich seh" reiht sich ein in diese Reihe von positiven Eindrücken.

Die Bibliothek hat diesen Titel unter "Drama" einsortiert und natürlich kann man "Ich seh, ich seh" als solchen anschauen. Aber er funktioniert auch hervorragend als Horrorfilm, die meisten Zuschauer betiteln den Film auch so. Vielleicht wäre er auch in der Bibliothek dort gelandet, hätte sie denn eine Horrorfilm-Abteilung...

Und Horror erlebt man in diesem Film eindeutig mehr als genug. Dabei reden wir aber nicht von Splatter, Monster oder anderen übernatürlichen Phänomenen, sondern entdecken den wahren Horror: nämlich jenen, der in uns allen herrscht. Das wirklich Beängstigende an "Ich seh, ich seh" ist, dass die Handlung so realitätsnah ist und so oder ähnlich bestimmt schon geschehen ist und auch wieder geschehen wird.

Wir haben zwei sehr eindringliche Jungdarsteller, die gerade in ihrer eher zurückhaltenden Darstellung extrem prägnant sind und so ihren Rollen noch unheimlicher wirken.  Zwillinge sind seit Urzeiten ein Symbol für das Übernatürliche, das Geheimnisvolle und es gibt unzählige Geschichten mit und über sie. In "Ich seh, ich seh" wird dieses Thema ebenfalls aufgegriffen, jedoch auf eine erfrischend andere Art und Weise.

Was wir auch wissen, ist, dass Kinderlieder extrem unheimlich sein können. Bisher sind mir aber eher jene aus den amerikanischen und englischen Filmen geläufig. In diesem Film wird aus einem niedlichen deutschen Kinderlied nicht nur ein schlimmer Ohrwurm (dafür muss ich nur das Cover anschauen und schon hat er sich festgenagt), sondern auch ein Garant für Gänsehaut. Wenn man die so vorgetragenen Lieder aus der eigenen Kindheit kennt, nimmt der Gruselfaktor gleich noch einmal zu.

"Nun gut", mag man vielleicht denken, wenn man bereits den einen oder anderen Horrorfilm gesehen hat. Von Anfang an kann sich der geübte Zuschauer einige Dinge zusammenreimen (wobei dennoch vieles ungesagt bleibt). Doch mehr und mehr driftet der Titel in eine ganz andere, unerwartete Richtung. Schlussendlich war ich enorm gefesselt, konnte nur noch denken "Holla, die Waldfee!"

Ja, bei einigen Szenen hatte ich den starken Drang wegzusehen. Starker Tobak also. "Ich seh, ich seh" ist wirklich ziemlich abgedreht und noch jetzt schaudert es mich, wenn ich an den Film denke. Sowas sind bei mir Zeichen, dass es sich um einen wirklich guten Titel handelt. Ansonsten hätte er kaum eine so starke Wirkung.

Verstörend, schauderhaft und grausam.


Produktionsland: Österreich
Originalsprache: Deutsch
Originaltitel: Ich seh, ich seh
Regisseur: Veronika Franz, Severin Fiala
Label: Koch Media
Laufzeit: 99 Minuten
FSK: ab 16
Erscheinungstermin: 30.08.2014

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