[Filme] Hurtlocker



There's enough bang in there to send us all to Jesus. I'm gonna die, I wanna die comfortable. 

Baghdad, Irak 2004: Nachdem Sergeant JT Sanborn (Anthony Mackie) und Specialist Owen Eldridge (Brian Geraghty) miterleben mussten, wie ihr Sergeant sein Leben bei einem Einsatz verlor, müssen sie sich mit dem neuen Einsatzleiter Sergeant First Class William James (Jeremy Renner) zurechtkommen. James ist ganz anders als ihr bisheriger Chef: draufgängerisch, egozentrisch und unberechenbar. Kann das Team unter diesen Umständen überhaupt funktionieren?


Für diesen Film erhielt Regisseurin Kathryn Bigelow den Oscar 2010 für die beste Regie. Damit war Bigelow die erste Frau, die einen Oscar für Regie erhielt. Als ich das las, lag meine Reaktion irgendwo zwischen Entsetzen und Unglauben - somit war „Hurt Locker“ der geeignete Film für das Thema „Amerikanische Regisseurin“ der Filmchallenge.

Die Hauptrolle in diesem Kriegsdrama spielt Jeremy Renner, mir bisher nur bekannt als Hawkeye aus den Marvel-Filmen. Erst erkannte ich Renner gar nicht, da diese Rolle so eine ganz andere ist. Aber Renners Leistung hier sucht seinesgleichen, überhaupt hinterlässt dieser Titel bleibenden Eindruck und so kann ich die sechs Oscars (u.a. auch eine Nominierung für den besten Hauptdarsteller) nachvollziehen. Die hat der Film auch wirklich verdient.

Jedoch ist „Hurt Locker“ alles andere als ein Popcorn-Film, den man in gemütlicher Runde schaut. Manchmal kam mir dieses Drama eher wie eine Dokumentation vor. Drehbuchautor Mark Boal war mit einer US-Truppe im Irak und diese Erfahrungen zeigen sich in jeder Sekunde. Es ist ein unverstellter Film, brutal nah an der Realität der Soldaten im Irak.

Der Titel des Filmes ist Soldatenjargon und bezieht sich auf den Ort, an dem man seinen Schmerz wegsperrt. Dieses Thema zieht sich durch die gesamten zwei Stunden. Schon ganz zu Beginn muss auch der Zuschauer erfahren, dass alle Menschen in Bagdad stets mit Tod, Schmerz und Verlust rechnen müssen. Sehr eindrücklich wird dies auch bei einer hochgegangenen Autobombe geschildert. In dieser Szene fühlt sich selbst der Zuschauer direkt an den Schauplatz versetzt - zurück in unserer Realität können wir also nicht anders als froh sein, in einem Land zu leben, in dem Frieden herrscht.

Unter diesem ständigen Druck muss man als Team funktionieren. Doch James macht es Sanborn und Eldridge nicht leicht, ist James doch jemand, der sich nur zu gerne in Gefahr begibt. Hat der junge Eldridge von Anfang an Mühe, sich im rauen Alltag zurechtzufinden, bricht auch Sanborn irgendwann zusammen. Dies ist umso ergreifender, nachdem man diese starken Männer bereits 90 Minuten begleitet hat und sie immer nur ihre starke Seite gezeigt haben. Irgendwann ist aber auch bei ihnen der „Hurt Locker“ voll…

Doch Bigelow zeigt auch, wie das Leben der Bevölkerung unter dem Terrorismus zu leiden hat. In der Schlussszene wird einem einfachen Familienvater eine Bombe umgebunden. Als kleiner Comic Relief und Hoffnungsträger in dieser öden Welt tritt der Junge „Beckham“ (Christopher Sayegh) auf.

Dieser Film hinterlässt Spuren und tiefe Eindrücke. Es ist ein schweres Werk, das sich mit einem schweren Thema auseinandersetzt. Grossartig.

Bechdel-Test: nicht bestanden
Frauen hier nur Nebensache. Der Soldatenjob ist noch immer von Männern dominiert, auch wenn es immer mehr Frauen in die Armee treibt. Aber hier bekommen wir kaum eine zu Gesicht.

Lieblingsszene: Als Sanborn und Eldridge hinter James' Rücken ernsthaft darüber diskutieren, dass er doch bei einem "Unfall" ums Leben kommen könnte. Sowas passiert...


Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch
Originaltitel: The Hurt Locker
Regisseur: Kathryn Bigelow
Label: Voltage Pictures
Laufzeit: 131 Minuten
FSK: ab 12
Erscheinungstermin: 13.08.2009

Kommentare :

  1. Ein wirklich starker und authentischer Film, der dir Soldaten und ihre emotional herausfordernde Arbeit zum Mitfühlen näherbringt, finde ich auch.

    Meine Lieblingsszene ist die, in der Einsatzleiter Sergeant First Class William James (Jeremy Renner) spontan seinen Schutzanzug aussieht und eine Bombe einfach so ungeschützt entschärft.

    LG
    Stephan

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    1. Diese Szene ist auch sehr eindrücklich und zeigt gut den Charakter James' und sein Verhältnis zu Leben & Tod.

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    2. Absolut.

      Was mir zudem sehr gut gefallen hat, war, als die Figur von Jeremy Renner wieder daheim in Amerika war, und mit dem ruhigen Leben und den Menschen dort überhaupt nicht mehr zurechtkam. Ein gern genommenes Thema in Kriegsfilmen, denn nicht nur die Menschen im Krieg verändern sich, sondern all die Personen daheim um sie herum, selbst, wenn sie sich gar nicht verändert hat. Spürbar auch präsentiert in "Die durch die Hölle gehen" ("Deer Hunter"), "American Sniper" und auch "Rambo". Bei zuletzt genanntem Film kann dann noch die zweite Komponente hinzu, dass Kriegshelden in der Heimat wie der letzte Abschaum behandelt werden.

      LG
      Stephan

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    3. Diese Szene am Ende war auch sehr eindrücklich. Obwohl er zu Hause eigentlich alles hat, zieht es ihn wieder zurück in den Krieg. Auch ein gutes Bild, das uns seinen Charakter aufzeigt. Das typische Leben als Familienvater ist nichts für ihn.

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