[Serien] The Walking Dead Staffel 1 - 4

Könnte Spoiler enthalten und vielleicht ein paar unnette Ausdrücke.
"The Walking Dead" ist in aller Munde und jeder scheint die Serie zu mögen. Ich als Zombie-Freund habe mich riesig gefreut, auch endlich mal dazu zu kommen, zumindest mal die ersten Staffeln zu sehen.

Die Freude währte jedoch nur kurz. Die erste Staffel war bis zur Mitte hin noch richtig cool. Rick wird angeschossen, wacht im Krankenhaus auf und überall hat es Zombies - ein richtig geiler Anfang. Davon will man mehr!

Doch mehr und mehr trieb die Serie in Richtung "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten". Vor allem in der zweiten Staffel sind die Figuren wirklich nur damit beschäftigt, sich gegenseitig anzuzicken und ein Drama folgt auf das nächste. Muss das sein? Ich wollte Zombie-Action und nicht irgendwelche pseudo-psychologischen Abhandlungen darüber, wer nun wem die Karotte weggefressen hat. Und Tränendrüse hier und Tränendrüse da.

Hallo - ich will Zombies sehen.

Die gibt es auch. Teilweise sogar so, dass es unnötig brutal ist. Aber leider fehlt der Serie etwas Grundlegendes, um einen richtig zu faszinieren: Gute Figuren. Realistische Figuren. Charaktere, die man mag und um die man bangt. Charas, die auf keinen Fall sterben dürfen.

Da die Macher irgendwie zeigen wollen, wie sich die Menschen nach einer solchen Katastrophe verändern und dabei gründlich versagen, haben sich alle Figuren, die Anfangs sowas wie Sympathie bei mir ausgelöst haben, sich mit mir gründlich verscherzt. Eigentlich gehen mir alle Leute da ziemlich auf den Sack mit ihren Dramas und ihren Buhuhus.


Und was ist eine Serie ohne Lieblingsfigur schon? Für mich nichts, wirklich nicht. Ich habe überall meine Lieblinge und Lieblingspärchen (I ship it) und an denen hänge ich dann. Bei "The Walking Dead" fehlt mir das. Daryl ist noch am ehesten das, was ich als "Lieblingschara" bezeichnen würde. Und Michonne vielleicht. Glenn mochte ich anfangs, aber seit er mit dieser Maggie-Braut rumfummelt, ist er auch nicht mehr interessant.

Dazu kommen noch diese seltsamen Plotholes. Die fallen einem vielleicht nicht auf, wenn man eine Folge pro Woche schaut. Aber wenn man Zeit und Netflix hat, dann kann man doch nicht umhin kommen zu realisieren, dass da teilweise was ziemlich schief läuft. 

Beispiel: Rick sagt, man solle nur noch Messer brauchen um Zombies zu töten. Weil Munition selten und so. Gute Idee! Trotzdem ballern alle weiterhin fröhlich rum. Oder die Autos. Immer schön sauber und das Benzin geht auch Jahre nach dem Verfall unserer Zivilisation nicht aus. Gut, dass man ja überall Ölquellen findet. Vielleicht kann man Öl auch aus Zombies gewinnen? Oder dass niemand auffällt, dass da ganz plötzlich, zwei Meter neben der Strasse ein riesiges Gefängnis steht. Wo kam das auf einmal her? Oder das Pseudo-Dorf? Und... und... und... (ach ja, es gibt natürlich überall Dörfer, in denen noch reichlich Essen vorhanden ist - unter anderem 3 Kilogramm Schokopuddig, die Klein-Carl einfach mal so wegputzt. Übel wird ihm davon nicht, oder was?)

Als ich mich mit einer Kollegin über die Serie unterhalten habe, meinte sie, ab der vierten Staffel werde alles wieder besser (nachdem wir uns durch die zweite und dritte wirklich durchgequält haben). Und tatsächlich - die ersten Folgen von Nummer vier waren tatsächlich besser! Aber dann fällt das Drehbuch rasch wieder in den alten Trott zurück und es wird wieder Kriegerlis gespielt. Weil - Drama, Baby, Drama! Marienhof lässt grüssen.



Fan der Serie kann ich mich also wirklich nicht nennen. Und trotzdem hat "The Walking Dead" irgendetwas an sich, das dafür sorgt, dass ich mir trotzdem Folge für Folge reingezogen habe. Dass ich mich trotz allem fragte, wie es nun weitergeht. Dass ich trotz allem ziemlich sicher weiss, dass ich mir auch die nächsten Staffeln ansehen werde.

Paradox, nicht wahr?

Einerseits ertrage ich es kaum, diese Serie zu schauen, ohne mich nebenher mit Pokémonspielen abzulenken, andererseits bin ich jederzeit wieder bereits, vor den Fernseher zu sitzen, und mir die Zombies anzugucken. Irgendwas hat "The Walking Dead" also doch an sich, das zieht. Nur weiss ich im Moment wirklich nicht, was genau das ist.

Wahrscheinlich mag ich einfach Zombies.

Ich habe mir ausserdem die ersten Bände der Graphic Novel reingezogen. Und wisst ihr was - die ist ein gutes Stück besser. Immer noch aufwühlend, aber ohne dieses übertriebene "Schaut einmal, wie schlecht es uns allen geht"-Drama. Während in der Serie dieser Jim (oder wie auch immer der aus dem ersten Camp hiess) ein riesiges Theater aus seinem Zombiebiss gemacht hat und Trara hier und Trara da, hiess es im Comic schlicht und einfach "Es geht los. Lasst mich zurück". Das ist genauso berührend und eindrücklich. Wenn nicht sogar mehr. Wieso muss man dem Zuschauer ständig immer alles aufs Auge drücken? Denken die, wir sind alle doof? Wahrscheinlich schon.

Naja, ich zieh mir jetzt ein paar gezeichnete Zombies rein. Und frage mich, wieso ich mal wieder einen Trend nicht begreifen kann, während jeder um mich herum das alles so richtig, richtig toll findet.......

 

Und einfach mal so weil lustig:

Kommentare :

  1. Ich habe die Serie "The Walking Dead" nicht so richtig komplett und chronologisch gesehen wie du, habe die Staffeln 1 bis 4 auf dem Fernsehsender RTL2 mal so nebenbei geguckt.

    Wie verschieden doch Meinungen sein können:
    Also, dass, was ich sehen konnte, hat mich voll und ganz überzeugt, die Serie ist echt spannend, und mir gefällt dass es mehr Menschliches, Emotionales darin gibt, und nicht die Zombie-Action, wie bei sehr, sehr vielen Vertretern dieser Art, im Vordergrund steht.

    Und eigentlich sind bei vielen Zombie-Serien und -Filmen die Menschenfleisch Fresser nur Nebenhandlung, denn bereits zur Geburtsstunde durch George A. Romeros "Night of the Living Dead" ging es eigentlich ausschließlich nur mehr um die Menschen in dieser Katastrophe, und wie sie mit sich, anderen und dem Dilemma umgehen.

    Mir ist es dieses Dumme und Unnötige, welches du erwähnst, überhaupt kein einziges Mal aufgefallen, und auch die einzelnen Figuren sagen mir eigentlich zu.

    LG
    Stephan

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    1. Ich hatte schon erwartet, dass du das sagst :D
      Wie bereits erwähnt, ist es wohl nicht so auffallend, wenn man sich nur einzelne Folgen anschaut. Auch ich mag es, wenn es um menschliche Emotionen und deren Veränderungen geht. Nur scheint es mir hier wirklich zu übertrieben, zu erzwungen. Irgendwann wirkt es dann nur noch melodramatisch.
      Naja, ich bin auch eher die, die überbrodelnde Gefühle eher befremdlich findet. Ich mag ja auch keine Liebesgeschichten oder Liebesfilme (ja, ich bin tatsächlich weiblich ;) und als Mädchen war ich die einzige der Klasse, die kein "Gute Zeiten Schlechte Zeiten" geschaut hat (und dafür gemobbt wurde :/)

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    2. Du hast natürlich recht, ich sollte mir mal alle Folgen ansehen, mal schauen, wie ich dann über diese Serie denke.

      So, jetzt kommt die Zeile, bei der ich erwähnen muss: Ja, ich bin tatsächlich männlich. :-)
      Ich mag große Gefühle und Emotionen, bin ein großer Freund der Nicholas Sparks-Verfilmungen.
      Aber "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" habe auch ich bis jetzt noch nicht geschaut. :-)

      LG
      Stephan

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    3. Ich habe das Gefühl, dass sie dir dann wahrscheinlich noch besser gefallen wird ;)
      Und da ergänzen wir uns doch wunderbar :D Ich habe mit 12 mein erstes und letztes Buch von Sparks gelesen und wenn ich ein Buch von ihm lesen soll/einen Film sehen, würde ich Geld dafür verlangen ;) Interessant, wie unterschiedlich wir doch alle sind!

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    4. Das ist in der Tat interessant und faszinierend zugleich. :-)

      LG
      Stephan

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