[Filme] Weil ich ein Mädchen bin

Weil ich ein Mädchen bin, 1999

You are who you are. The only trick is not getting caught!

Megan (Natasha Lyonne) ist ein Vorzeigemädchen, wie es im Buche steht: hübsch, gut in der Schule, geht mit dem Footballer aus, geht brav in die Kirche und ist natürlich Cheerleaderin. Sie wäre perfekt, wenn da nicht der leise Verdacht von Freunden und Familie wäre, Megan könnte lesbisch sein. Ein Gedanke, der dem jungen Mädchen selbst bisher noch gar nicht gekommen ist.

Kurzerhand wird Megan in ein Camp gesteckt, um von ihrer Homosexualität "geheilt" zu werden...

Regisseurin Jamie Babbit las eines Tages einen Artikel über einen jungen Mann, der ein solches Camp besucht hat, und entschied sich dazu, darüber einen Film zu drehen. Leider kam "Weil ich ein Mädchen bin" bei den Kritikern nicht wirklich an - ich dagegen mochte ihn sehr.

Der Hauptkritikpunkt war die schrille Aufmachung des Sets. Aber genau das war gewollt. In diesem Camp ist nichts echt. Absolut nichts. Deshalb sieht das Ganze auch aus wie ein Barbiehaus. Alles dreht sich um sterilisierte Rollenbilder und wie man die jungen Menschen in diese reinquetschen will. Da schaudert mich nur schon aus der Perspektive einer Frau im 21. Jahrhundert. Wenn man dann noch bedenkt, dass es solche Lager wirklich gibt, wird mir dazu noch übel (das mit der Sexualität ist eine hormonbedingte Sache, das kann man nicht "heilen" - was soll da geheilt werden?!)

Im krassen Gegenzug zum Plastikhaus steht das Pub, in das sich Megan und ihre Freunde ab und zu schleichen. Es ist der Szenetreffpunkt der LGQT-Community in der Umgebung. Hier ist alles düster, rauer und lebendiger als im Camp. Ebenso im Schutzhaus für Homosexuelle, dessen Leiter Larry (Richard Moll) und Loyd (Wesley Mann) zwei Ex-Ex-Gays sind und immer wieder im True Directions-Camp für Furore sorgen.

"Weil ich ein Mädchen bin" ist quietschbunt, teilweise stark übertrieben, aber manchmal braucht es genau das. Für mich machte es den ganzen Horror hinter der Sache nur noch abscheulicher. Umso mehr freut man sich dann um ein eher offenes Happy End und die ganzen Witze. Denn die Jugendlichen können (und wollen) nicht ändern, wer sie sind, was immer wieder zu Zwischenfällen führt.

Trotz allem ist es ein Gutelaune-Film, der vielleicht einiges an Tiefe missen lässt, aber für mich versteckte sich diese hinter Barbie-Fassaden, sinnlosen Übungen und übertriebenen Klamotten. Der Film mag kein grosser Wurf sein, aber dennoch hat mir das Schauen Spass gemacht und auch ein wenig beängstigt.

Bechdel-Test: bestanden
Die Mädels im Camp sprechen tatsächlich nicht über Jungs ;) Dafür aber über den Kurs selbst, ihre Gefühle und familiären Hintergründe.

Lieblingsszene: Ach, eigentlich fand ich das Ende ganz versöhnlich :)


Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch
Originaltitel: But I'm a Cheerleader
Regisseur: Jamie Babbit
Label: Pro-Fun-Media
Laufzeit: 89 Minuten
FSK: ab 12
Erscheinungstermin: 12.09.1999

Kommentare :

  1. Den Film kenne ich gar nicht.

    Du hast sehr gut erklärt, weshalb man diesen übertrieben schrillen Look gewählt hat, aber ehrlich gesagt, nach dem Lesen deiner Rezi würde auch ich meinen, dass mir der Film nicht sonderlich zusagen wird. Bei einem solch bösen Thema wie leider immer noch existierende Homosexuellen-Heilungs-Camps bevorzuge ich persönlich einen nüchternen, düsteren, abschreckenden Look, passt für mich irgendwie besser zu diesen Camps.

    LG
    Stephan

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    1. Ich kann deine Bedenken nachvollziehen, natürlich ist diese Haltung grundsätzlich die bessere. Dennoch gefällt mir auch, dass Babbit eben genau das nicht macht und andere Wege geht. Deshalb bin ich nun neugierig auf andere Filme von ihr, ob sie dort auch Regeln bricht oder sich der Meinung der Allgemeinheit gebeugt hat.

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    2. Auch ich mag es eigentlich, wenn ein Regisseur, eine Regisseurin mit den üblichen Regeln bricht.

      Ich habe mich über die Regisseurin Jamie Babbit auf der Internetseite Wikipedia kurz informiert.

      So richtig viel hat sie nach "Weil ich ein Mädchen bin" nicht gemacht. Zwei Kurzfilme. Bei zwei Serien hat sie bei einigen Folgen Regie geführt, und zwar "Gilmore Girls" und "Drop Dead Diva". Erstere Serie ist schon so eine Art Beugung vor der Meinung der Allgemeinheit, aber die zweite geht schon in Richtung Regeln brechen, allerdings in einem Beugung-der-Meinung-der-Allgemeinheit-Gewand.

      Dazwischen tauchen allerdings in ihrer Vita dennoch zwei Spielfilme auf. Einen kenne ich zufällig. Er trägt den Titel "The Quiet - Kannst du ein Geheimnis für dich behalten?". Dieser Film bricht in der Inszenierung und der Story mit den Regeln, ist allerdings ziemlich langweilig geraten.

      Vom zweiten Spielfilm habe ich allerdings noch nie etwas gehört oder gelesen. Er trägt den seltsamen Titel "Itty Bitty Titty Committee". In diesem Film geht es um einen lesbische High-School-Absolventin.

      Regeln brechen, oder der Meinung der Allgemeinheit beugen, spontan würde ich meinen, bei ihr halten sich die zwei Punkte die Waage.

      LG
      Stephan

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    3. Hm... klingt jetzt auf den ersten Blick nicht wirklich überzeugend. Sollte ich mal wieder über Babbit stolpern, werde ich mir aber sicher wieder etwas von ihr ansehen (nur nicht die Gilmore Girls-Folge - du kannst dir sicher denken, dass das nichts für mich ist ;)

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    4. Als ich kurz über sie recherchierte, da ging mein Gefühl auch so in Richtung 'Na ja'. Vielleicht ist ja ihr Film "Itty Bitty Titty Committee" interessant, und so anders wie "Weil ich ein Mädchen bin".

      Irgendwie dachte ich mir, dass die "Gilmore Girls" dir nicht so zusagen. ;-)

      LG
      Stephan

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    5. Genau - wir sollten dem Film trotz allem eine Chance geben. Wenn ich mal darüberstolpere, werde ich ihn mir sicher ansehen :)

      Ich habe mal ein eine Folge reingeschaut, weil viele die Serie gut finden und es auch um Bücher geht, aber du kannst dir sicher denken, dass ich bald wieder umgeschaltet habe :D

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    6. Der Film dürfte ziemlich, sagen wir, exotisch sein, bei Amazon bekomme ich zwar die DVD, allerdings nur als OmU (Original mit Untertitel, wie auch "Clerks - Die Ladenhüter"), was natürlich keinen Nachteil bringt für Filminteressierte Englisch-Versteher wie uns. ;-) :-)

      Ja, ich konnte es mir irgendwie denken. :D

      LG
      Stephan

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    7. Das klingt ja wirklich exotisch :D Aber wie du schon korrekt vermutet hast, für Filminteressierte ist das ja kein Nachteil :)

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