[Filme] Harakiri 1962 & Remake 2011

Japan im 17. Jahrhundert: Ein herrenloser Samurai, ein Ronin, betritt das Haus eines hohen Herren und bittet darum, in seinem Hofe Harakiri begehen zu dürfen. Da dieser Zeit viele Betrüger unterwegs sind, getrieben von Arbeitslosigkeit, Hunger und Armut, beschliesst der Feudalherr, an dem jungen Mann ein Exempel zu statuieren. 

Einige Zeit später tritt erneut ein Ronin mit derselben Bitte an den Herren heran. Doch dieses Mal ist etwas anders...

Der Film "Harakiri" aus dem Jahr 1962 basiert auf dem Roman von Yasuhiko Takiguchi, Regie führte Masaki Kobayashi. Es ist ein sehr ruhiger Film, obwohl man das vielleicht nicht erwarten würde, denn dieser Geschichte liegt eine Tragödie zugrunde, von der ich hier aber gar nicht allzu viel verraten möchte. 

Erzählt wird die Geschichte mit einer Rahmen- und einer Binnenhandlung und je weiter der Film fortschreitet, desto mehr erfährt auch der Zuschauer, was sich hier wirklich abgespielt hat. "Harakiri" ist ein sehr emotionaler Film, kommt jedoch ohne Gefühlsduselei aus. Das macht diesen Streifen umso eindrücklicher.

Zwar ist der Film aus den 60ern noch in Schwarz-Weiss gehalten, hat dennoch sehr viel Atmosphäre und hinterlässt einen sehr starken Eindruck.

2011 kam ein Remake des Filmes heraus, bei dem niemand anderes als Takashi Miike Regie führte. Die Geschichte ist dieselbe gelieben, dennoch schafft es Miike, seine Version so zu kreieren, dass diese kein simpler Abklatsch ist, sondern ein eigenständiger Film. 

Anfangs folgt das Remake noch dem Original. Nun in Farbe, mit Schauspielern, die ein Stück jünger sind und weniger zum Lachen geneigt sind (schaut euch das Original auf Japanisch an - grossartig wie Tatsuya Nakadai seiner Figur Hanshiro nur durch ein "Ohhh" so viel Charakter und Tiefe verleihen kann).

Auch das Erzähltempo ist ähnlich und man merkt, dass man es mit einer Hommage zu tun hat und nicht, wie schon erwähnt, mit einem Abklatsch. Je weiter der Film fortschreitet, desto mehr geht er aber auch seine eigenen Wege. Es wird mehr auf die Kindheit von Motome eingegangen und einige Aspekte wurden eingefügt, die der Geschichte noch mehr Tiefe und einen ganz anderen "Drive" verleihen.

Mir haben beide Filme sehr gut gefallen und die Idee, das Original und das Remake zusammen als Blu-Ray zu verkaufen, ist toll. Das sollte öfter gemacht werden, um auch ältere Filme wieder ins Gespräch zu bringen.

Interessant fand ich, dass im Remake auf grosse Computeranimationen etc. verzichtet wurden. Wie im Original hält man sich mehr an eine eindrückliche Szenerie und schauspielerisches Talent. Auch die typisch miikeische Gewaltdarstellung fehlt. Die Kampfszene zum Schluss läuft spektakulär, aber ziemlich unblutig ab. 

Bechdel-Test: nicht bestanden
Sogar das Baby ist männlich. Nur Hanshiros Tochter ist weiblich. Irgendwo im Remake tauchte noch eine alte Frau auf, deren Aufgabe war es aber nur, in einem Topf Suppe zu rühren...

Lieblingsszene: Als Hanshiro im Original die Ahnenstatue als Geisel nimmt. Leider wurde die Szene im Remake ausgelassen, dafür war die Stelle doch so genial!


 

Kommentare :

  1. Kannte ich noch gar nicht.

    Die Story weiß aber zu gefallen.

    Das Original und Remake gemeinsam verkauft werden, stimmt, kommt leider ziemlich selten vor, liegt höchstwahrscheinlich, meine Meinung, daran, dass man dies nur bei Filmen macht, wo man von vornherein glaubt, die werden nicht viel Kasse machen, Kapitalismus eben.

    Ich glaube, selbst wenn Takashi Miike ein 1:1-Remake machen würde, wäre seine Version immer noch eine andere, eigenständige. :-)

    LG
    Stephan

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    1. Ist wohl leider so, schliesslich will man Geld verdienen, nicht wahr?
      Stimmt, Miike hat eine ganz besondere Handschrift, die sich auch bei einem 1:1-Remake gezeigt hätte.

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    2. Ja, ja, das liebe Geld. :-)

      LG
      Stephan

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    3. So ist es, nicht wahr? ;)

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