[Anime] Doukyuusei


Sajou, you're my Number One.

Rihito Sajou und Hikaru Kusakabe scheinen auf den ersten Blick nichts gemeinsam zu haben, ausser dass sie dieselbe Klasse besuchen. Als Kusakabe jedoch beginnt, Sajou bei einem Lied, das sie für die Schule lernen müssen, zu helfen, lernen sich die Jungen besser kennen.

Mehr und mehr nähern sie sich an und verlieben sich ineinander. Doch können diese zwei unterschiedlichen Charaktere überhaupt eine gemeinsame Zukunft aufbauen?

Wieder so ein Film, der mir wahnsinnig schwer fällt, zu rezensieren. Was daran liegt, dass er mir so sehr gefallen hat, ich aber kaum Ahnung davon habe, wie man Liebesfilme richtig rezensiert. Heisst, ohne Kitsch und in Schwärmereien abzudriften, die ich persönlich nicht sonderlich mag.

Nun, dass "Doukyuusei" (deutsch: Mitschüler) kitschig ist, kann man leider nicht von der Hand weisen. Doch da hier die Form stimmt, der Aufbau und die Figuren, neutralisiert sich das Kitschige und es entsteht eine annehmbare Mischung, die sogar mich durch und durch überzeugt.

In nur einer Stunde schafft es dieser Titel, uns die Sorgen und Gefühle zweier junger Mitschüler näher zu bringen, über das erste Annähern, das Zusammensein und die Frage über die gemeinsame Zukunft. Es sind dies die Gedanken und Probleme, denen sich junge Menschen überall auf der Welt stellen müssen, und Sajou und Kusakabe stehen hier stellvertretend für viele andere Jugendliche.

Aufgrund der knappen Zeit kommen viele Themen nur kurz zur Sprache, die ich gerne mehr erläutert gehabt hätte (z.B. die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität, vor allem in der japanischen Gesellschaft), aber nur schon, dass diese Umstände überhaupt zur Sprache kommen, gibt "Doukyuusei" einen angenehm realistischen Touch.

Auch dass nicht übertriebene Floskeln und Liebesgeständnisse im Zentrum stehen, sondern die Taten der Jungs, helfen mit, nicht in kitschrosige Fantasien abzudriften. Auch wenn man natürlich stets haarscharf daran vorbeischnellt. Ich war überrascht, dass beide Hauptcharaktere in dieser kurzen Zeit von Jugendlichen zu jungen Erwachsenen werden. Sajou lernt, seine harte Schale etwas zu öffnen und Kusakabe übernimmt schlussendlich Verantwortung für sich selbst und sein Handeln.

Wodurch dieser Anime jedoch vor allem besticht, ist seine Aufmachung. Damit meine ich nicht einmal das interessante Charakterdesign mit schlanken Körpern und grossen Händen, sondern die Art, wie die Geschichte dargestellt wird.

Es ist eine ruhige Geschichte, mit mit einigen rasanten Szenen aufgebrochen wird. Das Ruhige setzt sich allerdings in der Gestaltung durch. Es wird viel mit Standbildern gearbeitet, Landschaftsbilder werden gezeigt und oft kommen mehrere Einzelbilder zum Einsatz, sodass der Bildschirm an eine Manga-Seite erinnert.

Somit ist "Doukyuusei" auch ein gestalterisches Kunstwerk, das mir sehr gefallen hat. Un das, obwohl es eine Liebesgeschichte ist.

Bechdel-Test: nicht bestanden
In einer so kurzen Zeit kann man nicht allzu viele Figuren einführen, weswegen sich die Handlung stark auf Sajou und Kusakabe beschränkt. In einer Szene unterhalten sich zwei Mädchen, jedoch geht es in ihrem Gespräch um Kusakabe, der als Musiker viele weibliche Fans hat.

Lieblingsszene: Der Sandkasten, jawohl!


Produktionsland: Japan
Originalsprache: Japanisch
Originaltitel: Doukyuusei
Regisseur: Shouko Nakamura
Label: Aniplex
Laufzeit: 60 Minuten
FSK: ab 13
Erscheinungstermin: 20.02.2016

Kommentare :

  1. Interessant. Interessant.
    Ich habe mir schon gedacht, dass es sicherlich auch Liebes-Animes geben könnte, aber dass es auch Homosexuellen-Animes gibt, das hätte ich mir niemals gedacht. Ganz besonders, wenn man bedenkt, aus welchem Land die kommen (eben Japan, wie du schon richtig meintest). Instinktiv würde ich diesen Anime hier sogar als Geheimtipp bezeichnen, gerade bei solch einem Thema. Wenn nur leider, laut deiner Aussage, der Rest etwas besser funktionieren würde. Also damit meine ich jetzt allen voran, dass man sich näher hätte beschäftigen müssen mit den wichtigen Gedanken, Dingen und Themen des Lebens, auf die kein Heranwachsender vorbereitet werden kann. Liebe, Geborgenheit und so weiter sind auch wichtig für die Menschlichkeit, aber gerade wenn man eine andere sexuelle Orientierung hat (endlich traue ich mich, im Alter von 33 Jahren, zu sagen, dass ich asexuell bin – ich hatte niemanden, ich musste mich darum selbst kümmern, kannst du dir vorstellen, wie noch grausamer für mich die Schulzeit gewesen wäre, hätte ich dieses Asexuellen-Coming-Out damals in einer Welt voll Pubertierender gehabt?), dann wird man von jeder Art Umfeld unbewusst und bewusst im Stich gelassen, was äußerst schade ist. Nur um das ‚Normale‘ kümmert man sich, auch in der heutigen Zeit, und dies sollte sich schleunigst ändern.

    So, das war jetzt mein Appell an alle, die ‚anders‘ sind.*schmunzel*

    Wie eigentlich bei jedem Anime muss ich auch hier wieder einmal sagen:
    Werde ich mir auf jeden Fall einmal merken.

    Da ich sowieso mich auf dem Gebiet der Animes weiterentwickeln will, werde ich dies bei sowieso jedem Anime schreiben, den du rezensierst. *g*

    Als ich deine Zeilen in dieser Rezi las, da musste ich scharf nachdenken. Ich habe jetzt allen voran die amerikanischen Produktionen hergenommen, weil die Amis ja zuhauf Liebesfilme, Romantikkomödien und so weiter produzieren. An zweiter Stelle könnte man eigentlich schon Deutschland setzen. Deutschland würde sich allerdings den Platz mit Indien teilen.

    Es gibt eigentlich keinen einzigen (amerikanischen) Liebesfilm, der ohne Kitsch auskommt. Und diejenigen, die es dann doch tun, sprich, realistischer daherkommen, bei denen handelt es sich meist um die traurigen. „500 Days of Summer“ und „Zwei an einem Tag“ fallen mir da grad spontan ein. Mir ist schon klar, dass Filme, ganz besonders Liebesfilme und Weihnachtsfilme, allen voran schöne Märchen zum Träumen sind. Aber dennoch könnte man die Kitsch-Dosis doch ein klein wenig reduzieren, gibt ja doch jede Menge Werke, die dann zu sehr übertreiben. „Schlaflos in Seattle“ hält sich meiner Meinung schön in Grenzen, oder auch „E-Mail für dich“.

    LG
    Stephan

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    1. Dann wird es dich vielleicht nun überraschen zu hören, dass sogenannte "Yaoi"-Anime & -Manga (also MannxMann-Geschichten) in Japan sehr, sehr beliebt sind. Es gibt unzählige verschiedene Genres (vom romantischen Kitsch bis zur reinen Sexgeschichte).

      Wobei du natürlich Recht hast: in Japan haben es Homosexuelle sehr schwer, trotz der Beliebtheit des Yaoi-Genres.
      Und auch stimme ich dir zu, dass es schön wäre, wenn es mehr Titel gäbe, die sich an der Realität orientieren, um Menschen zu helfen, sich selbst zu finden, zu helfen. "Doukyuusei" ist dabei noch einer, der am ehesten das spiegelt, wie sich junge Homosexuelle in Japan fühlen müssen. Viele Geschichten sind ziemlich überdreht und wenn man sich etwas mit der japanischen Gesellschaft befasst, realisiert rasch, dass ein solches Verhalten in echt praktisch nicht vorkommen würde.

      Ich kann mir wirklich gut vorstellen, dass solch ein Coming-Out, wie du es von dir berichtest, unter Teenagern gar nicht gut angekommen wäre. Da kommen auch bei mir so einige Erinnerungen hoch. Zum Glück gibt es unterdessen eine aktive LGBT-Bewegung, die darauf aufmerksam macht, dass es viele verschiedene Arten von Liebe gibt. Ich hoffe sehr, dass es weltweit dazu kommt, dass man sich nicht mehr dafür entschuldigen muss, wer man ist!

      Phu... mir war "Schlaflos in Seattle" und "E-Mail für dich" schon viel zu kitschig :D Aber es stimmt, eigentlich bewegen sich diese Filme auf einem mittleren Niveau. Da gibt es ja noch viel Argeres ;)

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    2. Ja, das überrascht mich allerdings.

      Japan ist irgendwie ziemlich ambivalent. Einerseits genießt das Yaoi-Genre dort große Beliebtheit, andererseits wird Homosexualität in der japanischen Gesellschaft nicht geduldet, sozusagen.

      Mir ist schon klar, dass Filme allen voran schöne Märchen darstellen sollen. Aber die Realität kann ja auch teilweise schön und romantisch sein. In manchen Fällen könnte sogar die Realität viel kitschiger sein als jedes filmische Märchen. Wie heißt es immer so schön: Das Leben schreibt die schönsten Geschichten. Warum diese nicht mal in einen Film übertragen, wird sicher auch genau so super funktionieren wie eine fiktive Geschichte.
      Siehe zum Beispiel den Film: "Für immer Liebe" mit Channing Tatum und Rachel McAdams, ein extrem gutes Fallbeispiel hierfür.

      Auch, wenn eine 'nicht normale' sexuelle Orientierung heutzutage immer noch nicht toleriert wird, wird sie dennoch im Jahr 2017 immer mehr akzeptiert und toleriert als damals vor, keine Ahnung, 40, 50 Jahren. Von daher kann man schon ein klein wenig froh sein, dass die Entwicklung, auch wenn nur in richtigen Babyschritten, positivere, akzeptiertere Schritte macht. Hoffentlich werden diese Schritte größer.

      LG
      Stephan

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    3. Stimmt, Japan ist in vielen Bereichen des sozialen und gesellschaftlichen Lebens auf diese Weise ambivalent, wie du das so treffend beschreibst. Unter anderem deswegen bin ich der Meinung, dass wir Westler die Asiaten niemals ganz verstehen werden.

      Zwar habe ich genannten Film nicht gesehen, aber natürlich hast du Recht. Das Leben schreibt sehr schöne und bewegende Geschichten.

      Wir können wirklich froh sein, nicht in den 50ern/60ern zu leben! Zu dieser Zeit hat man Menschen, die "anders" waren, ganz gezielt kaputt gemacht, damit sie ja wie gewollt "funktionieren". Zumindest in diesem Bereich hat sich die hiesige Gesellschaft wirklich gemacht. Und da bin ich wirklich froh drum!

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    4. Zum Thema "damit sie ja wie gewollt 'funktionieren'":
      Da kann ich dir "The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben" mit Schauspieler Benedict Cumberbatch empfehlen.

      LG
      Stephan

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    5. Der Film ist wirklich grosse Klasse! Und passt hervorragend in die genannte Kategorie :/

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