[Filme] Moonlight


At some point, you gotta decide for yourself who you're going to be. Can't let nobody make that decision for you.

Der junge Chiron (Alex R. Hibbert), genannt Little, trifft während seiner Flucht vor seinen ihn mobbenden Klassenkameraden auf den Drogendealer Juan (Mahershala Ali). Dieser und seine Freundin Teresa (Janelle Monáe) werden zu einer Ersatzfamilie für den Kleinen. Diese braucht Chiron auch dringend, da seine Mutter Paula (Naomie Harris) drogenabhängig ist.

Teresa bleibt Chiron (nun gespielt Ashton Sandersauch in Jugendjahren eine Stütze. Vor allem, weil das Leben immer komplizierter wird...

Kurz nach den Oscars 2017 habe ich mich bereits einmal an „Moonlight“ versucht. Doch da bekam ich nur eine Ausgabe, die ohne Untertitel daherkam. Das war denn doch ein bisschen to much, denn die Figuren sprechen natürlich amerikanischen Slang und ausserdem nuscheln sie auch noch extrem. Ich habe es versucht, musste dann aber eingestehen, dass ich zu wenig mitbekam.

Nun hat die hiesige Bibliothek endlich eine Version, die mit deutschen Untertiteln daherkommt. Englische wären mir zwar lieber gewesen, aber man soll ja nicht ständig meckern ;) So also kam ich endlich in den Genuss des Abstaubers der diesjährigen Oscarverleihung.

Als ich online etwas rumgestöbert habe, habe ich einige Rezensionen gelesen, die den Film als seicht und oberflächlich beschreiben. Dem kann ich leider nicht zustimmen. So langweilig es ist, ich schliesse mich den positiven Stimmen an.

"Moonlight" ist kein Liebesfilm, kein Actionfilm, kein Was-auch-immer. Es ist eine Charakterstudie, ein Stück aus dem Leben. Tatsächlich gibt es keinen hohen Spannungsbogen, aber für mich kam die Spannung aus Chiron selbst. Aus seinen Erlebnissen, seiner Entwicklung, seinem Lebensweg, seinem Auftreten anderen Leuten gegenüber.

Feinfühlig ist dieser Film erzählt, mit zarten Tönen. Interessant fand ich dabei die Kamera. Die ist zwar immer dabei, aber stets etwas ausserhalb. So als würde sie niemandem zu nahe treten wollen. Wir bekommen zwar mit, was in Chirons Leben läuft, aber zu nahe sollen wir nicht ran. Das passt auch sehr gut zu seinem Charakter.

Normalerweise werden Leben von Leuten verfilmt, die irgendetwas Grossartiges gemacht haben. Eine Katastrophe überlebt, eine weite Reise gemacht etc. etc. Hier wird ein Leben verfilmt, das mit keinen solchen grandiosen Taten aufwarten kann. Chiron ist ein ganz normaler Junge/Teenager/Mann. Man kann darauf hinweisen, dass er ausserdem schwarz und schwul ist, so fangen eigentlich die meisten Besprechungen von "Moonlight" an - aber was tut das zur Sache?

Ich fand es sehr eindrücklich, wie dieser Film daherkommt. Vor allem Alex R. Hibbert ist mir aufgefallen. Für einen Kinderschauspieler hat er gar keinen so einfachen Charakter abbekommen. Viele Figuren definieren sich über ihre Dialoge, was sie sagen, wie sie es sagen. Chiron/Little ist da anders. Er sagt nicht viel. Bei ihm es da ein Blick, dort eine Geste. Das ist alles. Meiner Meinung nach macht Hibbert seine Sache enorm gut.

Dieser Film hat in meinen Augen das Lob verdient, das er eingeheimst hat; vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich bei "Moonlight" um eine Low Budget-Produktion handelt und dass einerseits der Regisseur, andererseits die Schauspieler kaum bekannt sind. Somit beweist sich ein Film, der aufgrund seines Themas und des Teams als Nischentitel gelten könnte, bei den ganz Grossen.

Bechdel-Test: nicht bestanden
Obwohl Teresia eine wichtige Rolle in Chirons Leben spielt, unternimmt sie doch nie den Versuch, sich mit der Mutter des Jungen (die die einzige andere grössere Frauenrolle des Filmes ist) zu unterhalten. Zwar mag das seine Gründe haben, dennoch hätte ich ein Gespräch der beiden als sehr interessant empfunden.

Lieblingsszene: Alle mit Kevin (André Holland) als beide Erwachsen sind. Vor allem die, als Kevin kocht. 


Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch
Originaltitel: Moonlight
Regisseur: Barry Jenkins
Label: A24
Laufzeit: 111 Minuten
FSK: ab 12
Erscheinungstermin: 21.10.2016

Kommentare :

  1. Dieser Film wird auf ewig im Gedächtnis bleiben, als der Film, der aus Versehen nach "La La Land" erst den Academy Award für den Besten Film erhielt. :-)

    Minimal und nichtssagend muss nicht immer was Schlechtes bedeuten. Erst heute habe ich mir einen Film auf DVD angesehen, der zwar ziemlich spärlich von der Ausstattung daher kam, aber dennoch recht ansehnlich war.

    Und außerdem:
    Etwas Nichtssagendes hat auch eine Aussage. ;-)

    LG
    Stephan

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    1. Stimmt, die Szene ist legendär/peinlich/unvergesslich - alles zusammen :D
      Ein schönes Fazit, das du zum Schluss ziehst :D

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  2. Ich finde es schade, dass Naomie Harris keinen Oscar bekommen hat. Sie hat alle ihre Szenen in drei Tagen abgefilmt und wenn man das weiß, ist es einfach unglaublich. Miss Moneypenny rocks!

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    1. In nur drei Tagen? Wow! Das ist echt eine grosse Leistung, vor allem, weil sie ihre Rolle unheimlich gut spielt!

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