[Filme] Der Himmel über Berlin

Der Himmel über Berlin, 1987

Wie kann es sein, daß ich, der Ich bin, bevor ich wurde, nicht war, und daß einmal ich, der Ich bin, nicht mehr Der-ich-bin sein werde?

Seit vielen, vielen Jahren beobachten die Engel Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander) die Menschen und ihre Leben. Inmitten dem geschäftigen Trubel Berlins sorgen sie dafür, dass die Menschen sich ein wenig besser fühlen und die Hoffnung nicht verlieren.

Aber Damiel sehnt sich nach mehr. Er möchte spüren, fühlen, schmecken wie die Menschen. Dieser Wunsch wird so stark in ihm, dass er eine schwere Entscheidung trifft...

Über diesen Film bin ich immer mal wieder so nebenbei gestolpert. Vor allem war er mir ein Begriff als Vorlage für "City of Angels", den ich in einer pubertären Anwandlung mal ganz grossartig fand. Nun ergab sich dank der Filmchallenge (mal wieder) für mich die Möglichkeit, diesen berühmten Filmklassiker persönlich kennenzulernen.

Auch nachdem einige Zeit seit dem Anschauen vergangen ist, fühle ich mich immer noch ziemlich geflasht - auf Neudeutsch ausgedrückt. Ich habe den Film in kleinere Stücke zerlegt, damit ich mich besser auf den Inhalt konzentrieren konnte. 

Denn "Der Himmel über Berlin" ist kein gemütlicher Film, den man sich so nebenher mal reinzieht. Nein, er fordert, will Aufmerksamkeit, verlangt dem Zuschauer einiges ab. Dafür bekommt man aber auch viel zurück. 

Es ist ein gefühlvoller, äusserst tiefgründiger Titel, der seinesgleichen sucht. Gesprochen wird wenig, dafür folgen wir den Gedanken der Figuren. Es ist ein intimes Zuhören, sind doch Gedanken sehr persönlich und oft nicht für die Aussenwelt gedacht. Regisseur Wim Wenders hebt diese Schranken auf und findet dadurch neuen Zugang zu seinen Figuren und zur Handlung.

Ein Grossteil des Fimes ist in Schwarz-Weiss gehalten, bis sich immer mehr Farbe ins Spiel schleicht. Ein wunderbarer Kunstgriff, der zur Nachdenklichkeit der Atmosphäre und zum philosophischen Grundton beiträgt. Ein symbolträchtiger Streifen, bei dem nichts dem Zufall überlassen wurde. Jede Szene muss so sein, weil sie einfach so sein muss.

Dieser Film ist pure Kunst in seiner reinsten Form. Ja, das Stück ist an einigen Stellen zu lang geraten, davon abgesehen braucht man ein gewisses Mass an Durchhaltevermögen, aber ich persönlich wurde völlig absorbiert von dieser Stimmung, diesem Film und dessen Philosophie.

Bechdel-Test: nicht bestanden
Da auch selten geredet wird, macht das nichts.

Lieblingsszene: Jene, in der Peter Falk während einer Drehpause eine Statistin zeichnet. 


Produktionsland: Deutschland, Frankreich
Originalsprache: Deutsch, Englisch, Französisch
Originaltitel: Der Himmel über Berlin
Regisseur: Wim Wenders
Label: WDR
Laufzeit: 127 Minuten
FSK: ab 6
Erscheinungstermin: 1987

Kommentare :

  1. Auch mir ergeht es mit diesem Film so wie dir. Ich habe ihn erst einmal gesehen, und ich fühle mich immer noch so ergriffen von ihm, als hätte ich ihn gerade erst vor einer Minute gerade fertig geschaut. Er ist wahrlich so philosophisch, so wunderschön.

    Das Remake mit Nicolas Cage atmet meiner Meinung nach gekonnt den Geist des Originals ein, allerdings behält dieses in der Lunge lediglich die Schönheit, die Philosophie bleibt leider nicht lange im Körper, erst gegen Ende, wenn Meg Ryan's Figur leider stirbt, dann wird so richtig tief eingeatmet, sodass man richtig viel Luft für beides hat.

    Beim Original "Der Himmel über Berlin" verliebte ich persönlich mich in die Szene, als der Engel Bruno Ganz zum ersten Mal ein registriert, dass er jetzt ein Mensch ist, und sich mit Peter Falk unterhält, der in Wirklichkeit ebenfalls ein Engel war, der sich für das herrliche Leben als Mensch entschieden hat. Ich finde ja auch, Peter Falk's Stimme und Äußeres passen wie angegossen zur Stimmung des Films.

    Ach, wenn ich so darüber schreibe, gerate ich gleich wieder ins Schwärmen. :-)

    Wim Wenders drehte übrigens eine Fortsetzung, mit dem Namen "In weiter Ferne, so nah!". Der ist leider nur mehr Okay, weil er nicht mehr so intensiv ist wie der erste Teil.

    LG
    Stephan

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    1. Ich habe das Remake, wie gesagt, früher ein paar Mal gesehen, kann mich deshalb kaum daran erinnern, hatte aber während des Schauens des Originals eher das Gefühl, dass nur ein klitzekleiner Teil sozusagen extrahiert wurde und die ganze Tiefgründigkeit auf eine Liebesgeschichte reduziert wurde. Was bei mir ja kein Verkaufsargument ist ;) Aber vielleicht erinnere ich mich einfach nur zu wage.

      Diese von dir erwähnte Szene ist auch ganz wundervoll. Auch als Ganz den Fussgänger nach den Farben der Graffitis fragt, war ich sehr gerührt.

      Von der Fortsetzung habe ich auch gelesen, mal sehen, ob ich die irgendwann zu Gesicht bekomme :D

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