[Filme] Mein Leben als Zucchini

Mein Leben als Zucchini, 2016

Mein Name ist Zucchini!

Als der kleine Zucchini versehentlich seine alkoholabhängige Mutter tötet, kommt der Kleine in ein Waisenheim. Anfangs fällt es ihm schwer, Fuss zu fassen, vor allem da der stärkere Simon Zucchini ziemlich quält. Doch bald schon freunden sie sich an und Zucchini fühlt sich immer wohler. 

Dann kommt Camille. Zucchini ist sofort in ihren Bann geschlagen und die beiden verstehen sich prächtig. Doch Camilles Tante will das Mädchen wieder aus dem Heim holen, um Geld vom Staat abzukassieren...

Ein Schweizer Stop Motion-Film, der Preise einheimst und sogar für einen Oscar nominiert war - welcher Titel eignet sich also besser für die Kategorie "Animationsfilm nicht aus Amerika oder Japan" der Filmchallenge? Genau, keiner!

Anfangs musste ich mich ein wenig an den Stil des Filmes gewöhnen, doch schon bald wurde mir bewusst, dass ich über kurz oder lang den positiven Stimmen zustimmen werde. Und als die Credits über den Bildschirm flimmerten, war mir klar, dass ich definitiv mit allen positiven Meinungen übereinstimme.

Zucchinis Geschichte ist eine Tragikkomödie, denn bei all den Tragödien gibt es immer wieder Lichtblicke und schöne Momente. Der Film versteht es, die Sicht eines Kindes auf die Welt jenseits von Zuckerkitsch darzustellen. Sehr schön zeigt sich das in der Erklärung der Kinder, was beim Geschlechtsverkehr passiert. Da muss man unweigerlich lachen, fühlt dabei jedoch gleichzeitig, wie es einem schwer ums Herz wird, wenn einem klar wird, wie vernachlässigt Simon vor dem Heim wurde. Und die anderen Kinder haben alle ähnlich harte Schicksale durchgestanden.

Die Geschichte wird sehr ruhig und langsam erzählt, auf diese Weise wird Tiefe erzeugt, die Bilder prägen sich ein und man hat genug Zeit, über das Gesehene nachzudenken und sich eine Meinung zu bilden. "Mein Leben als Zucchini" ist etwas ganz Besonderes. Die Handlung, die Figuren, aber vor allem die Machart heben sich von der Masse ab.

Drei Jahre lang arbeitete das 20-köpfige Team um Claude Barras an Zucchini und seiner Geschichte. Denn der Film ist nicht per Computer animiert, sondern handgemacht. Die Puppen bestehen aus Silikon, Kunstharz und Latexschaum. Pro Drehtag konnten 30 Sekunden Film aufgenommen werden. (Quelle: Aargauer Zeitung)

Diese Liebe, diese Zuwendung und Aufmerksamkeit merkt man dem Film in jeder einzelnen Milisekunde an. Auf diese Weise schleichen sich Zucchini und seine Freunde heimlich ins Herz des Zuschauers und bleiben dort auch. Ich auf jeden Fall habe mir die gleichnamige Romanvorlage in der Bibliothek bereits vorgemerkt - natürlich muss ich lange warten, bis ich an der Reihe bin. Aber ich weiss, dass sich das Warten auf ein Wiedersehen mit diesen Kindern lohnen wird.

Nun finde ich es fast schon schade, dass Zucchini den Oscar nicht gewonnen hat. Verdient hätte er es auf jeden Fall. Aber immerhin kam mit "Mein Leben als Zucchini" ein Film aus der Schweiz in die engere Auswahl und das will ja auch schon was heissen!

Bechdel-Test: naja bestanden
Auch wenn sich der Film hauptsächlich um Zucchini dreht, kommt es zu kleineren Diskussionen zwischen den weiblichen Figuren. Ausserdem hat Camille einen starken Einfluss auch auf die Mädchen der Klasse.

Lieblingsszene: Das ist sehr schwer zu sagen bei diesem Film. Der Ausflug in die Berge war eine ganz tolle Szene, aber eigentlich gefällt mir der Film einfach als Ganzes.


Produktionsland: Schweiz, Frankreich
Originalsprache: Französisch
Originaltitel: Ma vie de Courgette
Regisseur: Claude Barras
Label: Blue Spirit
Laufzeit: 66 Minuten
FSK: ab 0
Erscheinungstermin: 15.05.2016

Kommentare :

  1. Deine Rezi bestätigt meine persönliche Meinung bei Animationsfilmen: Nicht einmal in 100 oder mehr Jahren, wo die Technik massiv fortgeschritten ist, kann mit CGI so eine Schönheit und Eleganz erzeugen, wie mit handgemachter Stop-Motion.

    LG
    Stephan

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    1. Ist jetzt ein ziemlich krasser Vergleich, aber bei Horror- und Splatterfilmen sind die mit den handgemachten Effekten immer noch die besseren, weil die nicht gar so künstlich, plastisch aussehen.

      LG
      Stephan

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    2. Da stimme ich dir sofort zu! Das Gleiche finde ich, gilt auch in der Kunst. Zwar können mit Photoshop bearbeitete Bilder ganz gut aussehen, doch nichts geht über ein Kunstwerk, das jemand von Hand hergestellt hat. Das ist immer noch etwas ganz Anderes!

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    3. Da gebe ich dir absolut recht.

      Allerdings können auch per Computer generierte Filme Kunst schaffen. Laut den Pressestimmen trifft dies angeblich auf einen hochgelobten Animationsfilm zu, der den Titel "Kubo - Der tapfere Samurai" trägt.

      LG
      Stephan

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    4. Genauso wie auch Computerspiele Kunst sein können. Irgendwie findet man Kunst praktisch überall :)

      Kubo hatte ich kurz zuvor irgendwann mal noch in der Hand... Hab den Film aber nicht mitgenommen...

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    5. Man kann sogar aus Dreck, Staub und so weiter Kunstwerke schaffen. Und dies ist so genial am Wunder Mensch, der es sogar schafft, etwas Hässlichem Schönheit zu verleihen und ansehnlich zu machen.

      LG
      Stephan

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    6. Da stimme ich dir voll und ganz zu! Kunst ist einfach überall :)

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  2. Den habe ich auch neulich gesehen und fand ihn wunderschön! Richtig süß, aber auch teilweise sehr bitter und ernsthaft. Ein Film, bei dem ich mir, wollte ich ihn mit Kindern gucken, erstmal überlegen würde, ob sie schon so weit sind, da ja doch einige ernste Themen angesprochen werden. Gleichzeitig hat der Film aber auch wieder eine total rührende, positive Botschaft. Ich fand es auch toll, dass so ein mal etwas anderer Animationsfilm für den Oscar nominiert wurde.

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    1. Du hast den Film wirklich sehr schön beschrieben. Das passt genau so. Wenn du dabei bist, wenn die Kinder den Film schauen, kannst du die ernsten Themen dann ja mit den Kindern besprechen?

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