[Filme] Die Katze auf dem heissen Blechdach

Die Katze auf dem heissen
Blechdach, 1958

Maggie the cat is alive. I'm alive. 

In der Ehe von Brick (Paul Newman) und Maggie (Elizabeth Taylor) krieselt es extrem. Dennoch müssen sie auf der Geburtstagsparty von Big Daddy (Burl Ives) gute Miene zum bösen Spiel machen.
Doch natürlich entgeht Bricks Familie nicht, dass Maggie noch kein Kind erwartet und vor allem Mae (Madeleine Sherwood) spielt dies gegen Maggie aus, damit Mae und ihr Ehemann Gooper (Jack Carson) die einträglichen Länderein Big Daddys erben.
Big Daddy möchte aber lieber Brick als Erben sehen. Doch dafür müssen erst einige tief sitzende Missverständnisse aus dem Weg geschafft werden...

Dieser Film geisterte schon lange in meinem Kopf herum, doch es dauerte lange, bis ich es endlich schaffte, ihn mir doch anzusehen. Ausserdem geschah dies auch nur per Zufall und mithilfe der Bibliothek, dank der ich schon viele tolle Filme sehen durfte.

Und wow! Dieser Film hat es echt in sich! Der Aufbau ist so gesetzt, dass man anfangs keine der Figuren leiden kann. Schon gar nicht Maggie. Aber auch sonst macht überhaupt keiner der beteiligten einen irgendwie anständigen Eindruck. Aber genau das ist der Plan! 

Diese Inszenierung, die auf dem Theaterstück von Tennessee Williams beruht, ist so aufgebaut, dass man als Zuschauer erst einmal nur den Kopf schüttelt. Doch langsam arbeiten wir uns zum Grund dieses Verhaltens vor. Wir merken, dass hier irgendetwas vorgefallen sein muss, das die ganze Familie und vor allem Brick und Maggie entzweit hat. Mehr und mehr wollen wir wissen, was es denn nun war. Ich hätte am liebsten den Fernseher angebrüllt, dass die Leute doch einfach  mal offen miteinander reden sollten. Aber so einfach ist das nicht, manche Sachen hat man so tief in sich selbst vergraben, dass man selber gar nicht mehr weiss, dass sie überhaupt da sind.

So arbeiten wir uns also Schicht für Schicht durch soziale Zwänge, Lügen und Vorurteile. Es wird natürlich nicht alles auf dem Silbertablett serviert, dafür sind die Charaktere viel zu komplex, die Probleme zu gross. Jeder der Anwesenden muss hier über seinen Schatten springen und es gibt wohl kaum eine Beziehung in diesem Hause, das nicht mit irgendwelchen Problemen belastet wäre. 

Trotzdem wirkt der Film nicht überladen. Regisseur Richard Brooks schafft einen galanten Drahtseilakt und hält den Zuschauer stets bei Laune. Aber auch die grandiose Leistung der Schauspieler trägt viel dazu bei, dass "Die Katze auf dem heissen Blechdach" ein grandioses Seherlebnis ist. In den Extras finden sich Interviews mit den Beteiligten und alle sind sich einig, dass dieser Film viel zum Ruhm von Paul Newman und Elizabeth Taylor beigetragen hat.

Es ist keine einfache Sache, Figuren wie Brick und Maggie (aber auch Mae, Big Daddy und Gooper) darzustellen. Sie alle sind eigensinnig, eingesperrt und verfahren in ihrem Leben, doch die Geburtstagsparty kann ihnen helfen, neue Wege zu finden. Hier zeigt sich wahre Schauspielkunst. Deshalb war ich umso überraschter, dass ich den Film in der Liste "1001 Movies..." nicht gefunden habe. In meinen Augen gehört die Katze definitiv zum grossen Filmkanon. Hier stimmt einfach alles!

PS: Film im OT schauen! Die Stimme von Elizabeth Taylor ist unvergleichlich.

Bechdel-Test: nicht bestanden
Maggie und Mae zicken sich zwar an, ebenso wie Bricks Mutter und Maggie, aber meistens geht es eben um Männer und ums Kinderkriegen. Damals war eine Frau nur eine Frau, wenn sie Nachkommen in die Welt setzt und ist auf diese Weise ebenfalls ein feministisches Thema.

Lieblingsszene: Keine Szene, sondern eine Untermalung - nämlich das Gewitter, das jede Szene passend untermalt. Ausserdem als Brick mit seinem Vater im Keller ist, eine wundervolle Annäherung!


Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch
Label: MGM
Laufzeit: 104 min
FSK: ab 12 Jahren
 Erscheinugnstermin: 18.09.1958

Kommentare :

  1. Bitte was!!!??? Dieser Film steht NICHT im Buch "1001 Movies ..."!!!??? Jeder Filmhistoriker würde den sofort in Großbuchstaben dort reinschreiben.

    Bei diesem Film geht es mir wie dir, auch er geistert mir schon länger im Kopf herum. Leider habe ich ihn dazwischen wieder vergessen, dank deiner Erwähnung ist er endlich wieder als fester Gedanken in meinem Kopf drinnen. Ohne diesen Film bereits gesehen zu haben, würde ich dir sofort recht geben, dass alleine Paul Newman und Elizabeth Taylor den Film sehenswert machen.

    LG
    Stephan

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    1. Ich fand das auch äusserst merkwürdig; aber ich hab den Titel im Buch gesucht und wirklich nicht gefunden. Ehrlich, das enttäuscht mich schon ein wenig. Denn dieser Film gehört doch wirklich in eine Liste mit Filmen, die man gesehen haben sollte.

      Oh ja, Paul Newman und Elizabeth Taylor sind einfach göttlich! Ich hoffe, dass dir der Film weiterhin im Kopf herumgeistert; bis du ihn dann auch mal sichten kannst :)

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    2. Hoff ich auch. :-)

      LG
      Stephan

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