[Filme] Der Marsianer

Der Marsianer, 2015

Naja, ich will nicht arrogant klingen oder so, aber ich bin der beste Botaniker auf diesem Planeten.

Mark Watney (Matt Damon) ist Teil von "Ares III", deren Team den Mars erforscht. Doch an Sol 18 (Tag 18) muss die Aktion wegen eines heftigen Sandsturmes abgebrochen werden. Auf dem Rückweg zur Station wird Watney jedoch von einem Gegenstand getroffen und von seinen Kollegen getrennt. Das Team muss den Rückflug ohne Mark antreten. Die ganze Welt denkt nun, dieser sei tot.

Auf dem Mars kommt Watney unterdessen wieder zu sich. Verletzt, aber lebendig. Gut ausgebildet, wie Watney ist, schafft er es auch, einen Notruf abzusetzen, sodass auf der Erde ein Rettungsplan ausgetüftelt werden kann. Doch wie lange kann Watney auf einem Planeten überleben, der absolut lebensfeindlich ist?

Buch und Film zu "Der Marsianer" geisterten lange durch die Blogs und jede Rezension, die ich las (ob nun Buch oder Film) war durchwegs positiv. Also zögerten wir auch nur kurz, als wir die BluRay auf dem Flohmarkt für ganz wenig Geld erhaschen konnten.

Und, hält der Film was er verspricht? Definitiv! Man ist sofort in der Geschichte und zwar mittendrin. Kein grosses Tratra um irgendwelche Vorgeschichten, ganz im Gegenteil. Wir befinden uns sofort auf dem Mars und kurz darauf beginnt es auch schon zu stürmen. Dennoch hat man nicht das Gefühl, dass einem etwas fehlt. Innert kurzer Zeit wird man darauf aufmerksam gemacht, wie eng die Verbindung des Teams ist und welche Belastung der angebliche Tod von Mark für alle ist.

Ridley Scott (Prometheus, Child 44) legt mit "Der Marsianer" einen sehr aufwendig produzierten Film vor, bei dem die Balance zwischen Computergrafiken und Schauspielkunst perfekt aufgeht. Die Grafiken unterstützen die Geschichte, sorgen für sehr viel Atmosphäre, wunderschöne Bilder und drängen sich nicht wie anderswo in den Vordergrund. Hier wird nicht mit einem grossen Budget angegeben, sondern darauf geachtet, grosses Kino zu drehen.

Denn grosses Kino wird einem hier auch geboten. Nicht nur zu Beginn fühlt man sich gleich mitten im Geschehen, sondern während des gesamten Filmes. Durch die Kameraperspektiven erhält man beinahe den Eindruck, in einer Reality-Show gelandet zu sein. Nur ohne die Leute, die sich mit schlechter Grammatik beschimpfen. Ein guter Zug, denn hätte Watney nur mit sich selbst geredet, hätte der Zuschauer vielleicht einen falschen Eindruck vom Protagonisten bekommen. So aber spricht Watney fast schon direkt zu uns und zieht uns rein in sein gefährliches Abenteuer.


Dennoch funktionieren viele Mars-Szenen auch ganz ohne Text. Anstatt in Verzweiflung zu versinken, macht sich Watney daran, zu überleben. Er nimmt die Dinge in die Hand, erlebt Rückschläge (im wahrsten Sinne des Wortes) und macht doch weiter. Ein wunderbares Beispiel dafür, dass es sich lohnt, niemals aufzugeben. Egal, wie verzweifelt die Lage erscheinen mag. Somit ist "Der Marsianer" für mich ein Film mit einer rein positiven und lebensbejahenden Einstellung.

Das Erzähltempo ist ruhig und gefasst, genauso wie Watney es selbst ist. Es wird an einigen Stellen emotional, aber niemals dramatisch oder kitischig. Dieser Unterschied ist für mich sehr wichtig und zum Glück wird hier alles richtig gemacht. Scott hat schon sehr viel Erfahrung sammeln können, wobei mir nicht alle seiner Stücke gefallen, doch für den Marsianer kann ich ihm nur gratulieren.

Denn auch was die Balance zwischen den erwähnten emotionalen und den rasanten Sequenzen angeht, stimmt es einfach. Ausserdem kommt es zu sehr viel Witz und Humor, kein alberner oder fehlplatzierter Humor, sondern gut passende Pointen. Damit hätte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Vor allem weil Matt Damon auf dem Cover ziemlich griesgrämig dreinschaut. Aber so würde ich wohl auch gucken, wenn ich mich alleine auf dem Mars wiederfinden würde.

Damon macht als Mark Watney auch eine überaus gute Figur und verleiht dem Charakter viel Tiefe. Ich glaube, aus allen seinen Filmen mochte ich Damon hier am meisten. Dadurch, dass wir es mit einem so greifbaren und realen Hauptcharakter zu tun haben und durch die Kamera sowieso schon mittendrin sind, bleibt es schliesslich nicht aus, dass wir um Watney zittern und bangen. Ja, wir wissen, dass es gut ausgehen wird - dennoch gibt es eine Szenen, in denen ich das grosse Bedürfnis hatte, auf meinen Fingernägeln zu kauen.

Die Fingernägel sind aber noch dran, die Blu-Ray ist im Regal verstaut und zurück bleibt das zufriedenstellende Gefühl, einen richtig guten Film gesehen zu haben.

Bechdel-Test: nicht bestanden
Es gibt zwar Frauenfiguren, aber in erster Linie geht es um Mark Watney und der ist 1. ein Mann und 2. alleine auf dem Mars.

Lieblingsszene: Marks Explosion und die Szenen mit dem lustigen Astrodynamiker.

 

Kommentare :

  1. Es gibt Momente, da bin ich neidisch auf dich, wenn du einen Film vor mir gesehen hast. Dieser Moment ist jetzt gerade. :-)

    Noch schlimmer als oben erwähntes Gefühl nach dem ersten Moment, ist für mich der zweite Moment, wenn zudem du diesen Film richtig gut bewertest. Dieser zweite, heftigere, Moment ist jetzt da. :-)

    Dir gefallen nicht alle Werke von Regisseur Ridley Scott? Kann ich nicht behaupten, ist aber Geschmacksache. :-)

    Nichts destotrotz, "Der Marsianer" wollte ich bereits damals schon sehen, als er im Kino lief. Und jetzt, dank deiner Rezi, weiß ich jetzt auch, wieso ich ihn immer noch unbedingt sehen möchte. :-)

    LG
    Stephan

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    1. Dein Kommentar gefällt mir richtig gut :)
      Ich hoffe es wirklich, dass auch du diesen Film bald sichten kannst!

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    2. Danke für deine lobende Erwähnung. :-)

      Auch, wenn es erst nächstes oder übernächstes Jahr im Fernsehen sein sollte, er wird definitiv gesichtet. :-)

      LG
      Stephan

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    3. Super, ich freu mich schon auf deine Meinung :)

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  2. Handlung klingt interessant, wäre vielleicht eine Idee für den nächsten Samstagabend. LG Romy

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    1. Definitiv eine Empfehlung und auch sehenswert :)

      LG Jari

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  3. Den Film habe ich auch schon gesehen und er hat mir definitiv richtig gut gefallen! Den werd ich mir sicher noch öfters anschauen :D

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    1. Der Marsianer ist definitiv ein Film, den man sich immer wieder anschauen kann!

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