[Filme] 47 Ronin

47 Ronin, 2013

Rivers of blood and mountains of corpses will not stand in our way.

Das Halbblut Kai (Keanu Reeves) wird von Fürst Asano (Min Tanaka) aufgenommen, obwohl der Junge von Dämonen aufgezogen wurde. Kai ist so dankbar, dass er alle Schikanen am Hofe geduldig erträgt. Als sich der berühmte Fürst Kira (Tadanobu Asano) als Gast ankündigt, wird ein grosses Fest gefeiert. Doch Kai merkt sofort, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht: Kira arbeitet mit einer Hexe (Rinko Kikuchi) zusammen! Kiras Plan geht auf und Fürst Asano muss sich durch Seppuku das Leben nehmen.

Asanos Samurai sind nun zu Ronin geworden, doch 47 von ihnen planen ein Jahr später, ihren Herren zu rächen. Kai möchte ausserdem die Hochzeit von Asanos Tochter Mika (Kō Shibasaki) verhindern. Gemeinsam machen sie sich daran, ihre Rache zu planen...

Lange Zeit habe ich mich geweigert, mir "47 Ronin" anzusehen. Erstens weil der Film viele schlechte Kritiken erhalten hat, zum anderen weil es mir nicht behagt, dass ein Aussenstehender sich anmasst, einen Film über die japananische Kultur zu machen.

Da es sich bei diesem Aussenstehenden aber um niemand anderen als Keanu Reeves handelt, den ich in letzter Zeit mehr und mehr zu schätzen weiss, kam es schlussendlich doch dazu, dass wir uns diesen Film angesehen haben.

Schlussendlich war ich überrascht davon, wie gut mir dieser Film gefallen hat! Keine meiner Befürchtungen ist eingetreten und die aufgelisteten Kritikpunkte kann ich leider nicht nachvollziehen. "Emotional unterkühlt" heisst es da zum Beispiel. Jedoch sage ich dann mal, dass sich dieser Rezensent wenig mit Japan bzw. japanischen Filmen auskennt und ausserdem gefiel es mir sehr gut, dass die Liebesgeschichte die eigentliche Handlung nicht dominiert. Es geht um die 47 Ronin, die ihren Herren rächen wollen, und nicht um ein zugegebenermassen tragisches Liebespaar.

Das Einzige, was ich kritisieren könnte, sind die Animationen, die für eine Produktion von 2013 durchaus besser sein könnten. Aber das ist Motzen auf hohem Niveau. Denn ansonsten sind mir wirklich keine weiteren Punkte begegnet, die mir negativ aufgefallen wären.

Eigentlich dachte ich, dass sich Reeves viel mehr in den Vordergrund drängen würde, den strahlenden Helden spielen würde - aber das war nicht der Fall. Er nimmt sich sogar sehr zurück, lässt Oishi (Hiroyuki Sanada) sozusagen die Hauptrolle und den aktiveren Part spielen.

Natürlich merkt man, dass es keine originale japanische Produktion ist, aber dennoch wurde dem Genre des Asiafilmes viel Treue erwiesen. Der Aufbau der Geschichte, die Hintergründe und Kostüme sind alle sehr schön und originalgetreu gefertigt. Es wurden nur etwas mehr Computergrafiken eingefügt und alle Parteien tragen sehr farbige Kleidung, was dem westlichen Zuschauer die Unterscheidung, wer zu wem gehört, erleichtert.

Ansonsten bietet "47 Ronin" ein grundsolides Asia-Abenteuer mit viel Mythologie und einer guten Portion Spannung. Keanu Reeves hat mir auch in seiner Rolle als Aussenseiter Kai sehr gut gefallen, ich mag seine ruhige und besonnene Art, die hervorragend in die japanische Gesellschaft passt. Auch die ursprüngliche Sage der 47 Ronin wurde, wenn auch angepasst, hervorragend wiedergegeben.

Als Bonusmaterial auf der Blu-Ray befinden sich auch viele Szenen, in denen die Darsteller ihre Kämpfe geprobt haben. Dieses Material ist nicht nur interessant, wenn man sich für dafür interessiert, wie der Film gemacht wurde, sondern man merkt auch, wie positiv die Stimmung untereinander während des Prozesses war.

Bechdel-Test: nicht bestanden
Es gibt zwar zwei weibliche Figuren, Mika  und die Hexe, die auch aufeinandertreffen, sich aber eigentlich nur über Kai bzw. Kira unterhalten. Also nicht bestanden.

Lieblingsszene: Der Ausflug auf die holländische Insel vor Japan, die auch vieles über die Herkunft von Kai erklärt. Ausserdem kann ich mir dadurch nun viel besser vorstellen, wie das damals funktioniert hat.

Kommentare :

  1. Ich hab es schon öfters erwähnt, "47 Ronin" ist ein überraschend gelungener Film geworden. Er respektiert die japanische Kultur und ihre Geschichte so wie Mythologie, allerdings oberflächlich bleibt er bei den Actionszenen ein merklicher Hollywoodfilm. Du hast gar nicht erwähnt, wie du über die Hollywood-Action in einem Hollywoodfilm denkst, der die japanische Geschichte, Kultur, Mythologie zum Thema hat.

    Mir fiel eigentlich kein einziges Mal auf, dass sich Keanu Reeves in den Vordergrund drängt in seinen Filmen. Im Gegenteil, selbst, als er zirka in den 90er-Jahren selber noch der Star war, hat er sich immer vornehm zurückgehalten, selbst bei einem Super-Kassenhit wie "Matrix", finde ich jedenfalls.

    Fazit:
    So wie du, würde auch ich diesen Film weiterempfehlen, und auch von mir würde er einen kleinen Minuspunkt erhalten, und zwar für die überbordende spürbare Hollywood-Action, weil echte Asiafilme, da fühlt sich, also für mich jedenfalls, die Action wie Teil der Mythologie an, hier nicht so.

    Was die Effekte anbelangt, stimmt, dies ist meckern auf hohem Niveau, denn die Effekte waren nicht so toll für das Jahr 2013, aber akzeptabel.

    LG
    Stephan

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nun, da ich den Film ebenfalls gesehen habe, kann ich dir voll und ganz zustimmen. Die Actionszenen fand ich eigentlich in Ordnung, sie waren zum Glück an keiner Stelle zu lang oder ermüdend. Natürlich waren diese mehr auf ein westliches Publikum ausgerichtet, doch noch in einem angenehmen Mass gehalten.

      Je mehr Filme ich von Keanu Reeves schaue, desto mehr mag ich ihn :)

      Löschen
    2. Ja, so eine Anziehungskraft haben auch nicht viele. :-)

      LG
      Stephan

      Löschen
    3. Achso, Danke auch für deinen Actionszenen-Rezi-Nachtrag. :-)

      LG
      Stephan

      Löschen
    4. Gerne :) Deshalb mag ich den Austausch mit dir, viele Sachen fallen mir erst hinterher, während des Gesprächs, ein :)

      Löschen
    5. Lieb von dir, Danke. :-)

      LG
      Stephan

      Löschen