[Filme] Bichunmoo

Bichunmoo, 2000

Vergiss Sullie. Sofort.

China im 12. Jahrhundert: Jin-ha und Sullie verbringen ihre Kindheit gemeinsam und je älter sie werden, umso näher kommen sie sich. Doch aufgrund ihres Standesunterschiedes haben sie keine gemeinsame Zukunft. Sullie wird von ihrem Vater trotz Widerspruchs an einen mongolischen Adligen verheiratet, was vor allem dem Ansehen der Familie nützt. Jin-ha verspricht, Sullie wiederzusehen und nimmt sein Training der Bichun-Kampfkünste auf.

Nach dem tragischen Tod seines Meisters macht Jin-ha sich auf, seine Sullie zurückzuerobern. Doch dafür muss er gegen viel Widerstand ankämpfen, einen Freund und sein Leben verlieren...

Wie oft sass ich in den letzten 10 Tagen vor diesem Eintrag und versuchte, eine Rezension zu "Bichunmoo" zu schreiben? Und wie oft musste ich aufgeben? Oft genug jedenfalls, um sehr lange keine Filmbesprechung mehr online gehen zu lassen. Ich achte da ja sehr auf Chronologie und dieser Film schien wie eine riesige Hürde, die ich jetzt endlich zu nehmen wage.

Dieser Film startet wie so viele Asia-Filme: Mit einem Kampf. Und von denen wird es noch einige mehr geben. Dabei sind die Bewegungen so surreal, dass kein normaler Mensch, der den Gesetzen der Schwerkraft ausgesetzt ist, diese jemals ausführen könnte. In einigen Szenen sind dazu ausserdem noch die Seile zu sehen, an denen die Schauspieler hängen...

Auch ansonsten wirkt "Bichunmoo" sehr billig gemacht. Die Qualität nach habe ich den Film auf Ende 80er-Jahre geschätzt, die Schauspieler wirken alle wie Holzstäbe und vor allem macht der Handlungsverlauf keinen Sinn. Jahressprünge werden nicht angekündigt und man als Zuschauer verliert völlig den Faden. Oder es werden Themen aufgegriffen (z.B. dieses seltsame Buch), die danach einfach fallen gelassen werden.

All dies macht "Bichunmoo" zu einem Film, dem man nur schwer folgen kann und auch wenn ich mir Mühe gab, alles zu verstehen, so war ich doch meistens bloss verwirrt. Ist man Europäer fällt es leider auch sehr schwer, die Figuren auseinanderzuhalten. Sogar ich habe noch Person A mit Person B verwechselt, obwohl ich behaupten will, unterdessen etwas Durchblick bei den Asiaten zu haben.

Vor allem verstand auch keiner von uns, wer nun gegen wen kämpft. Blau gegen schwarz? Oh, nein, jetzt sind die Blauen wieder auf der Seite des schwarzen Hutmenschens. Aber jetzt hat der alle der Blauen abgemurkst? Irgendwann habe ich es dann aufgegeben, der Geschichte folgen zu wollen.

Schlussendlich ging es sowieso nur um Jinha und Sullie. Da kommt ganz viel Drama zum Tragen. Oder eher DRAMA! Es reicht nicht, dass sie sich nicht haben können. Nein, es müssen auch ganz viele Menschen sterben, dann sind sie wieder getrennt, dann hassen sie sich, dann werden sie wieder getrennt usw. Ein Drama folgt auf das nächste. Das war auf die Dauer leider äusserst ermüdend. Irgendwann stumpft man dem Leiden der Figuren gegenüber ab.

"Bichunmoo" hat sicher gute Ansätze, diese aber nicht voll ausgekostet. Wir hatten gute drei Tage, bis wir durch waren. Es war ein langer, harter Kampf...

Lieblingsszene: Die sehr kunstvoll gestaltete Szene, in der man jeweils Jinhas verletztes und Sullies für die Hochzeit geschminktes Gesicht sah. Die hat mir äusserst gut gefallen.
Bechdel-Test: nicht bestanden
Sullie ist weit und breit das einzig weibliche Wesen.

 

Kommentare :

  1. Ich habe auch schon mal einige asiatische Produktionen gesehen, wo Sachen weggelassen beziehungsweise nicht weiter verfolgt wurden. Keine Ahnung, woran die bei der Post-Produktion so denken, die jeweiligen Macher, aber die Story ist es nicht. :-)

    Zudem ist dies bei asiatischen Produktionen auch so eine Krankheit:
    Potenzial verschenken. Schade eigentlich, denn es gibt ja auch einige besondere Perlen darunter, die sogar Hollywood toppen können.

    LG
    Stephan

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    1. Oh ja, solche Macken sind uns auch schon oft aufgefallen. Vielleicht liegt es daran, dass viele Filme auf Legenden aus Asien beruhen. Da wird das Vorwissen quasi vorausgesetzt. Dass Europäer, die die Sage nicht kennen, den Film vielleicht auch schauen wollen, daran denken die Macher evtl. gar nicht?

      Stimmt, es gibt viele richtig grandiose Asiamovies :)

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    2. Auch wieder wahr.
      Jetzt habe ich gar nicht daran gedacht, dass es eventuell daran liegen könnte. :-)

      Stimmt, eigentlich dreht jedes Land nur Filme für sein eigenes, die internationale Vermarktung ist doch nur so eine Art Zusatz.

      LG
      Stephan

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    3. Vor allem jene, die sich mit den Traditionen und Gepflogenheiten des eigenen Landes zu tun haben, sind international weniger gefragt. Schliesslich kennt nicht jeder die Geschichten eines fernöstlichen Inselreiches ;) Da stimmt es, was du sagst, dass die internationale Vermarktung nur als Bonbon gilt

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