[Filme] The Imitation Game

Für mich gab es eigentlich nur einen Grund, "The Imitation Game" zu schauen und dieser Grund heisst Benedict Cumberbatch. Ansonsten interessierte ich mich nicht sonderlich für diesen Film. Auf Mathematik reagiere ich sowieso leicht verschnupft.

Nichtsdestotrotz haben wir uns an "The Imitation Game" gewagt und der Film war spannender, als ich erwartet hatte! Ich bin tatsächlich überrascht, wie gut er mir schlussendlich gefallen hat. OK, an einigen Stellen hätten die 3D-Grafiken etwas beser sein können, aber das ist auch schon mein einziger kleiner Kritikpunkt. Ansonsten bin ich restlos begeistert.

"The Imitation Game" ist die Biographie des brillianten Alan Turing. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitet der Mathematiker an einer Maschine, die Enigma knacken soll. Enigma ist die Verschlüsselung der Deutschen und würde dieser Code geknackt werden, könnte dies das Ende des Krieges bedeuten. Niemand ausser Alan glaubt an seine Maschine, mit Ausnahme von Joan Clarke...

Alans Geschichte nicht linear erzählt, sondern wir springen teilweise etwas in der Zeit herum. Jedoch ist jeder Schritt nachvollziehbar und wenn man sich etwas an das Jahr 1939 hält, weiss man sich eigentlich gut zu helfen. Mir haben diese Sprünge sehr gefallen und es passt auch zum Inhalt des Films. Sich nicht bloss hinsetzen und konsumieren, sondern aktiv dabei sein und Puzzleteil für Puzzleteil zusammenfügen - das macht einen Film gleich etwas spezieller.

Ein weiterer Pluspunkt sind für mich die tollen Hintergründe und Details. Man wird wirklich direkt in die Zeit um 1940 hineingezogen. Wundervolle Kostüme, passende Autos und auch die Musik lässt uns 1 zu 1 in die Szene gleiten und ganz vorne mit dabei sein.

Und dann ist da natürlich noch Benedict Cumberbatch. Man hätte für diese Rolle keinen Besseren wählen können. Obwohl bereits in "Sherlock" grandios in der Verkörperung eines Genies, glänzt er als Alan Turning richtiggehend. Diese Figuren scheinen Cumberbatch zu liegen, er macht sein Ding hier richtig, richtig gut.

Auch Keira Knightley spielt ihre Rolle hervorragend und das sage ich, obwohl mir Knightley grundsätzlich nicht sonderlich zusagt. Ich finde ihre Kopfform irgendwie irritierend. Das konnte sie hier aber gut überspielen, wofür ich äusserst dankbar bin.

"The Imitation Game" ist mitreissend erzählt, spannend und emotional geladen, ohne Kitsch oder irgendwelche Moralpredigten. Einfach das zentrale Ereignis im Leben des Alan Turing und was er eigentlich für uns alle geleistet hat. (und wie es ihm gedankt wurde)

Grossartig, dieser Film, einfach grossartig!

Bechdel-Test: nicht bestanden
Joan muss sich als Frau in einer Männerdomäne beweisen und das noch vor der Zeit der Emanzipierung. So beweist sich Joan trotz nicht bestandenem Test als starke Frau, die ihren Weg geht. In einer Szene redet sie zwar mit einer Freundin, da geht es aber doch nur um Männer und ums Flirten.

Lieblingsszene: Als Alan versucht, sich mit seinem Team anzufreunden, Äpfel verteilt und einen Witz erzählt. Einfach nur goldig :D
Dazu noch die Szene ganz am Anfang, als Alan sich für die Stelle beim Staat bewirbt. Dieser Einstieg in den Film ist klasse gemacht. man erhält gleich mal einen Vorgeschmack auf den Charakter Alan Turnings.
Und auch jene auf der Feier, als Alan der Kuppler spielen soll und dann davonstürmt. Auch eine Schlüsselstelle des Filmes.

Kommentare :

  1. Als ich das erste Mal von seiner Entstehung las, da dachte ich mir gleich zu Beginn: Och ne, nicht noch ein Enigma-Film. Dann allerdings erfuhr ich mehr über den Film, und verfolgte ihn schließlich eine Weile, weil auch er für ein paar Oscars vorgeschlagen war, und merkte, dass es sich hier um einen Film handelt, den man leicht unterschätzen kann, dass unter seiner Oberfläche sehr viel mehr steckt, und anhand deiner Rezi zu gehen ist dies der Fall.

    Und übrigens, meine anfängliche Enigma-Aufregung war dann auch sofort wieder weg, als ich erfuhr, dass es um diese Maschine nur anfangs geht, um in den Film einzusteigen, und im späteren Verlauf es dann um den verstoßenen Turing geht, obwohl er so vielen Menschen das Leben gerettet hat sozusagen. Alan Turings Geschichte kenne ich ja, zufällig sah ich mal vor einiger Zeit eine Dokumentation über ihn auf dem Fernsehsender SERVUS TV. Eine Schande, er hat so viel wertvolles für die Menschheit geleistet, und nur wegen seiner sexuellen Orientierung in der falschen Zeit dankt es ihm keiner, nein, genau das Gegenteil ist der Fall. Der sowjetische Film "Stalker" hatte schon recht in seiner Kritik, was die Menschen, ihre Gier nach Macht und Geld, ihre Befangenheit, ihre Angst vor allem Fremden und so weiter angeht.

    Jetzt weiß ich, ich kann ihn mir ansehen, ohne von vornherein enttäuscht zu sein. :-)

    Ich hab mich köstlich über deine Worte über Keira Knightley und ihre Kopfform amüsiert. :-) Ja, stimmt schon, aber genau wie bei dir und mir und Kristen Stewart, ich mag sie. :-)

    LG
    Stephan

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    1. Den Film sollte man tatsächlich nicht unterschätzen, mir ist es ja fast ebenso ergangen. Zum Glück habe ich mir den Film dann doch angesehen, ansonsten hätte ich echt etwas verpasst.

      Die Doku muss sehr spannend gewesen sein, die hätte ich auch gerne gesehen. Turing muss ein faszinierender Mensch gewesen sein, umso tragischer, was unsere Gesellschaft ihm angetan hat. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln. Stalker hat genau das auf den Punkt gebracht - sehr schön gesagt :)

      Ich mag Knightley eigentlich auch, zumindest hier fand ich sie ganz ok. Aber ich glaube, weibliche Schauspieler haben bei mir einfach einen schwereren Stand als Männer. Muss wohl biologische Ursachen haben ;)

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    2. Doch, die Doku war auch äußerst spannend, die Zeit verging auch hier jedenfalls wie im Fluge, einerseits, weil dies so eine Dokumentation war, die Fakten vermischte mit Spielfilmszenen, und zweitens, ja, weil Alan Turing und besonders seine Geschichte so faszinierend und abstoßend zugleich waren.

      Muss wohl biologische Ursachen haben, lieb gesagt. :-)

      Das erinnert mich an die "Family Guy"-"Star Wars"-Parodie:
      Unsere Helden befinden sich in einer Kommandozentrale in einem Konferenzraum, um zu planen, wie sie das Imperium gemeinsam mit den Rebellen angreifen. Eine Frau ergreift das Wort, darauf Peter, der in der Parodie die Han Solo-Rolle innehat: "He, Moment mal, es gibt in diesem männerdominierten Universum noch eine Frau außer Prinzessin Leia!?".
      Prinzessin Leia, verkörpert von Peter's Frau Lois, sitzt neben ihm, macht ein verärgertes Gesicht, verschränkt die Hände, und meint mit zornigem Ton: "Ich mag sie nicht!" :D

      LG
      Stephan

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    3. Ich bin normalerweise nicht so der Doku-Schauer, aber die hier würde ich mir gerne ansehen :)

      Die Szene ist richtig toll, diese Folge haben wir auch gesehen und sie ist mir in Erinnerung geblieben. Passt hier tatsächlich sehr gut rein :D

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    4. Ich schaue Dokumentationen eigentlich schon sehr gerne, aber auch nicht jede. Eigentlich nur durch Zufall beim Durchzappen sehe ich sie mir im Fernsehen an, und durch einen glücklichen Zufall blieb ich eben bei dieser hier hängen.

      LG
      Stephan

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    5. Schön, dass du bloss durch Zufall auf diese tolle Doku gestolpert bist. Abund zu passieren einem solche Dinge und das ist doch auch richtig wundervoll :)

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    6. Das ist wahr. :-)

      LG
      Stephan

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