[Filme] The Voices

"The Voices" ist einer jener Filme, deren Trailer etwas ganz anderes verspricht, als dass das eigentliche Produkt schlussendlich ist. Als ich den Trailer sah, rechnete ich mit einer Komödie, vielleicht etwas schwarzem Humor, aber eigentlich doch eine Komödie nach amerikanischem Sinne.

Gut, es gibt tatsächlich einige lustige Szenen, die sind dann eher rabenschwarz und auch grotesk. Ansonsten ist der Film... vieles. Thriller, Drama und ein Abtauchen in die menschliche Psyche. "The Voices" ist kein Film für jedermann, aber mich fand er genau im richtigen Augenblick.

Es ist kein einfacher Film und somit keine einfache Sache, hierzu eine Rezi zu schreiben. Vor allem ist "The Voices" alles andere als Popcorn-Kino. Und ich sass da mit meiner Schüssel Popcorn und langsam dämmerte es mir, dass ich mir gerade etwas ganz anderes als die erwartete Komödie ansah.

Aber: dieser Film ist wirklich gut. Nicht das, was ich erwartet habe, aber dennoch war ich fasziniert. Hinterher wohl noch mehr als während des Schauens. Jemand, der sich weniger gut mit psychischen Krankenheiten auskennt, wird den Film wohl weniger schätzen. Doch Regisseurin Marjane Satrapi hat es geschafft, dieses Thema sehr gut und überaus greifbar umzusetzen.

Jerry ist ein guter Kerl und jeder mag ihn. Als er sich in Fiona verliebt, setzt er alles daran, ihr Herz zu gewinnen. Doch dann geschieht die Sache mit dem Hirsch und Fiona stirbt. Durch Jerrys Hände. Zum Glück kann Jerry sich auf seine Freunde verlassen: Mr. Whiskers und Bosco stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite. Auch wenn es wohl etwas seltsam ist, wenn einem ein Kater und ein Hund Ratschläge erteilen...

Natürlich wissen wir, dass Jerry sich das meiste nur einbildet. Als er kurz seine Medikamente absetzt, erhaschen auch wir einenkurzen Einblick in die düstere Realität und irgendwie verstehen wir auch, dass Jerry lieber in der heilen Welt mit den Schmetterlingen lebt.

Bosco und Mr. Whiskers sind dabei Verbildlichungen von Jerrys gewissen: der treue Bosco, der an das Gute in seinem Herrchen glaubt, und Mr. Whiskers, das Animalische, Triebgesteuerte, das Unbewusste. Man kann natürlich wieder sagen, dass Katzen nicht so sind, wie hier dargestellt. Aber darum geht es nicht, das wurder auch mir erst im verlauf des Filmes klar.

Ryan Reynolds (aktuell auch als Deadpool bekannt) brilliert in der Rolle des Jerrys. Einerseits kann Reynolds den netten Jerry genauso darstellen, ein Typ, dem man vertraut, der keiner Fliege etwas zuleide tut. Das ist der Jerry, den Jerry eigentlich sein möchte. Aber auch den anderen Jerry bringt Reynolds grandios rüber. den verwirrten, verängstigen, einsamen Jerry, der das alles eigentlich nicht will, aber irgendwie eben schon (und es sich nur schwer eingestehen kann).

Das klingt jetzt süss und knuffig, aber wie bereits gesagt: der Film ist knallhart. Er ist blutig, er ist eklig und makaber. Gleichzeitig süss, romantisch und lustig. Die beiden Seiten des Jerrys.

Wer sich also wagt, sich mal ausserhalb der eigenen Komfortzonen zu bewegen und sich auch mal mit etwas anderem zu beschäftigen als Explosionen und ewige Treueschwürde, der sollte sich diesen Film merken.

Im Kopf bleiben wird "The Voices" einem auf jeden Fall.

Bechdel-Test: nicht bestanden
Frauen sollten sich sowieso lieber aus diesem Film raushalten. Die Mädels quatschen zwar, aber eher aneinander vorbei und eher mit Jerry als miteinander.

Lieblingsszene: Als Bosco zu Jerry sagt, dass er seine Meinung geändert hat. Und natürlich die Köpfe im Kühlschrank. Makaber, aber witzig.  

Kommentare :

  1. Ich kenne nur den Trailer, aber der hat mir persönlich eigentlich schon gereicht, ihn mir ansehen zu wollen. Und dank deiner Rezi jetzt erst recht. :-)

    LG
    Stephan

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