[Filme] Birdman

Diesen Film hätte ich mir nicht angesehen, wenn mein liebster Film-Youtubekanal sich nicht positiv darüber geäussert hätte. Ja, "Birdman" hat viele positive Rezensionen bekommen, aber bei der Filmfabrik habe ich bereits einige Übereinstimmungen gefunden, weswegen ich dem Vogelfilm mal eine Chance geben wollte.

Die ersten Dreiviertel des Filmes waren jedoch überhaupt nicht meins. Ständig dieses Rumgeschreie, Gestreite und Gemotze. Echt jetzt? Wenn ich mir Dramen, Streits und Elend ansehen will, dann geh ich raus auf die Strasse. Jeder hat seine Probleme, aber nicht jeder hat ein Haus in Malibu, das er notfalls verpfänden kann. Die Frau am Kiosk hat sich mit 15 bestimmt auch nicht erträumt, mal im Stundenlohn Kippen an Arbeitslose zu verkaufen.

Deshalb schau ich mir lieber Action- und Fantasyfilme an. Da wird einem etwas geboten, das ich sonst nicht erlebe, etwas, das sich vom Alltag abhebt. Wenn ich einen Film sehe, dann möchte ich abschalten und weg. Wenn ich mir die Probleme anderer Leute anhören will, dann setz ich mich ins Wartezimmer meines Arztes oder die nächste Bushaltestelle.

Und immer wieder Geschrei - können diese Typen nicht normal kommunizieren?!

der Grund, weshalb ich nicht abgeschaltet habe, waren die tollen künstlerischen Effekte des Filmes. Auf diesen Effekten liegt auch das Hauptaugenmerk von "Birdman" und ohne das Gezeter hätte ich diese Stilelemente gleich noch mehr geniessen können. 

Schnitte sind sehr selten und überaus bewusst gesetzt. Die Übergange unaussprechlich fantasievoll und bedeutungsschwanger. Die Ebenen zwischen Traum, Theaterwelt und Realität sind glatt und fliessend. Immer wieder überrascht der Film von Alejandro González Iñárritu, denn an gängige Muster hält sich dieser Regisseur nicht im Geringsten.

Ab dem letzten Teil war dann auch ich voll dabei und ja, die Streiterein braucht es, um die Figurenentwicklungen aufzuzeigen und die Charakterenkonstellation zu verdeutlichen, mir war es aber immer noch zu viel. Dennoch war das letzte Viertel wirklich mitreissend und ganz grosses Kino.

Wohl zeigt sich auch bei den Filmen, was ich bei Büchern schon weiss - die offiziellen Kritiken spiegeln meinen Geschmack nur dezent wider bzw. die Kritiker und ich, wir leben in ganz unterschiedlichen Welten.

Bechdel-Test: naja bestanden
Es gibt ein paar Sätze unter Frauen gewechselt, aber aufgrund der zahlreichen Frauenrollen hätte man hier mehr erarten können, als bloss etwas tränenreiches Blabla um dann bloss rumzuknutschen.

Lieblingsszene: Die, in der Sam Riggan erklärt, was es mit den Strichen auf sich hat. So kommen sich die beiden Figuren wieder näher und entwickeln sich weiter. Danach erst hat mir der Film gefallen.

 


Kommentare :

  1. Schade eigentlich, anhand der überaus positiven Kritiken und den Trailer-Bildern hätte ich mir viel mehr erwartet. Eigentlich sollte ich es, so wie du auch, besser wissen, aber dennoch fallen wir anscheinend immer noch in dieselbe Falle. Ist aber ehrlich gesagt auch nicht so schlimm, denn durch so eine Tatsache kommt dann auch dazwischen irgendwann zu einem Film- oder Serienprojekt, welches man ohne diese Kritiker-Werbung niemals angesehen hätte.

    Ich bin auch kein Freund von Geschreie in Filmen und Serien, anschauen möchte ich mir "Birdman" dennoch eines Tages, alleine schon wegen dem Visuellen, weil Alejandro Gonzalez Innaritu ist ein interessanter Regisseur mit einem künstlerischen, unkonventionellen Blick, sieht man ganz besonders bei seinem neuen Werk "The Revenant - Der Rückkehrer".

    LG
    Stephan

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dir Birdie gefallen wird. Vielleicht kannst du das Gestreite besser als ich ausblenden, und dich bloss auf die grossartige künstlerische Gestaltung konzentrieren. Denn die bietet Gonzalez wirklich. Bloss konnte ich die grösstenteils nicht geniessen, weil mir das ständige Geschrei auf die Nerven ging.

      Löschen
    2. Möglich wäre es, denn ich habe schon das eine oder andere Mal von Kunstfilmen gelesen, wo sich die Zuschauer oder die Kritiker an den Figuren gestört haben, und aus diesem Grund das Visuelle nicht genießen konnten, ich aber sehr wohl.

      LG
      Stephan

      Löschen
    3. Das nenn ich mal ein Talent! Ich könnte so etwas wohl nicht, da ich lieber das grosse Ganze betrachte. Wenn da etwas nicht stimmt, dann merk ich das irgendwie...

      Löschen
    4. Bei mir ist es da etwas anders:
      Auch ich merke es, wenn etwas nicht stimmt, aber ich teile den kompletten Film sozusagen in seine Einzelteile auf, und betrachte mir dann die alle sozusagen. Ich denke, eventuell hat man dies schon bei meinen Bewertungen, beziehungsweise bei den Unterhaltungen mit dir mitbekommen, Stichwort: einen Film auf verschiedene Betrachtungsweisen ansehen und bewerten, mit der einen kommt er besser weg, mit der anderen nicht mehr so. Was hatten wir beide denn da so? Ach ja, "The Colony".

      Manchmal tu ich mir schwer beim Aufteilen, aber manches Mal, da mach ich dies schon irgendwie automatisch im Kopf, ohne es zu wollen beziehungsweise zu merken.

      Schon irgendwie merkwürdig. :-)

      LG
      Stephan

      Löschen
    5. Stimmt, darüber haben wir uns bei "The Colony" bereits unterhalten. Und ich finde es immer noch bewundernswert, dass du das kannst :)

      Löschen
    6. Ach, hör doch auf, es funktioniert auch nicht immer. *rotwerde* :-)

      LG
      Stephan

      Löschen
    7. Bestimmt öfter als bei mir ;) :)

      Löschen