[Filme] Anonymus

Bei "Anonymus" war ich mir anfangs nicht sicher, ob mir der Fim überhaupt gefallen würde.  Auf den ersten Blick wirkt er eher schwer und langwierig, was vielleicht einer der Gründe ist, weshalb "Anonymus" nicht so viel Geld einspielte. Schade, denn dieser Streifen ist wirklich gelungen.

Vor einigen Jahren sah ich einen Bericht, in dem darüber gesprochen wurde, dass es immer mehr Indizien dafür gäbe, dass Shakespeare seine Werke nicht selbst geschrieben hat, sondern eher als "Bote" diente. Dieser Gedanke war erst total fremd, doch mittlerweise haben sich immer mehr Wissenschaftler zu diesem Thema geäussert und Dokumente geliefert, die diese Theorie untermauern.

In "Anonymus" gehen wir auf die Suche nach der Person hinter William Shakespeare. Wie kam es dzau, dass ein Mann, der kaum seinen Namen schreiben kann, Stücke wie "Hamlet" oder "Romeo und Julia" zu Papier brachte?

Edward De Vere, Earl of Oxford, hatte schon seit frühester Jugend eine innige Bindung zu Worten und dem Geschriebenen. Doch für seinen Stand schickt es sich nicht, Texte zu schreiben. Also kontaktiert er Ben Jonson, der mehr oder weniger erfolgreich versucht, Bühnenautor zu werden. Doch der Plan geht schief, als William Shakespeare interveniert. Und unterdessen findet De Vere heraus, dass um ihn herum Intrigien geschmiedet werden, die auch mit der Queen zusammenhängen...

Dieser Film ist ein grossartig inszeniertes Drama (diesen Spruch habe ich aus diversen Trailern geklaut, passt hier aber sehr gut) auf Stand der aktuellen Shakespeare-Forschung. Mit Roland Emmerich als Direktor kann man jedoch ein gewisses Niveau erwarten und das hält er auch. Die Kulissen sind atmosphärisch gestaltet und die Schauspieler hervorragend gewählt.

Rhys Ifans in seiner Rolle als Earl of Oxford sah teilweise aus wie eine erwachsene Version von Draco Malfoy, was irgendwie passt. Teilweise verlor ich bei all den Titeln des Englischen Königshofes jedoch ein wenig den Überblick, wer nun wer ist und von welcher Figur nun die Rede ist. Aber mit etwas Übung findet man irgendwann raus, wer nun welche Gebiete besitzt.

Von William Shakespeare kann man sagen, was man will, aber hier kommt er leider wirklich nicht gut weg. Teilweise fand ich es auch ein wenig zu viel des Guten. In diesem Film wird kein gutes Haar an Shakespeare gelassen, was vielleicht auch dazu geführt hat, dass das Publikum "Anonymus" eher kritisch aufnahm.

Auch das Thema ist kein einfaches. Kritik an William Shakespeare? Nicht jeder möchte den König von seinem Thron stossen. Da ich jedoch die Diskussion immer mal wieder verfolge, war ich mit der Aussage bereits vertraut. Das Bonusmaterial auf der Blu-Ray ist übrigens sehr interessant und man erfährt noch einiges mehr aus der Forschung.

Für mich war "Anonymus" ein spannender, aber auch berührender und emotionaler Film, der auch Wissen zu vermitteln sucht.

Bechdel-Test: nicht bestanden
Die Queen spielt eine wichtige Rolle in diesem Film, auch die Frau des Earls of Oxford taucht immer wieder auf. Zu Gesprächen zwischen Frauen kommt es jedoch nicht, beziehungsweise das meiste sind Befehle an Dienstmädchen. Frau und Tochter des Earls reden in einer Szene auch mehr zum Earls selbst als miteinander.

 

Kommentare :

  1. Habe ich noch nicht gesehen, möchte ich aber.
    Dies war der erste Film Roland Emmerichs nach den ganzen Big-Budget-Katstrophenfilm-Blockbustern in den Jahren davor.
    Ihm war einfach danach, auch mal wieder kleinere Filme zu inszenieren, zu produzieren, und meiner Meinung nach kann er dies auch gerne weiterhin so handhaben, denn unter seiner helfenden Hand, sei es jetzt gleich als Regisseur, oder nur als Produzent, kommen wahrlich, wie auch von dir erwähnt, qualitativ hochwertige Produkte heraus.

    "Anonymus" fand zwar ein klein wenig Anklang, war aber dennoch ein großer Flop, was meiner Meinung nach daran liegen mag, dass man mit dem Namen Roland Emmerich in erster Linie immer noch große Katstrophenfilme verbindet, sein Ruf zerstören ihm sozusagen seine kleinere Projekte.

    LG
    Stephan

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  2. Ich empfehle dir diesen Film wirklich :)
    Irgendwo habe ich gelesen, dass Emmerich diesen Film sogar 100% selbst finanziert hat (genug Geld hat er dafür bestimmt zusammenbekommen), damit ihm auch kein Studio oder so reinquatscht. Finde ich gut und merkt man der Geschichte auch an.

    Das könnte natürlich auch noch mitgespielt haben. Zum einen wird Shakespeare von seinem Thron gestossen und das ausgerechnet von Emmerich - ne, das geht gar nicht. Schade um diesen tollen Film!

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    1. Vielen lieben Dank für deine Empfehlung, mich interessiert dieser Film auch persönlich, alleine deswegen, weil ich mir schon immer dachte, dass Emmerich auch klein kann, und durch deine tolle Hintergrundinfo mit der Selbstfinanzierung will ich ihn sogar erst recht sehen. :-)

      LG
      Stephan

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    2. Dann wünsche ich dir mal viel Spass beim Abarbeiten deiner To-watch-Liste ;) Hoffentlich kommt "Anonymus" bald dran :)

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    3. Danke. :-)

      Denselbigen Spaß wünsche ich dir natürlich auch bei deinem Film- und auch Bücher-Stapel. :D

      LG
      Stephan

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    4. Vielen Dank, den werde ich bestimmt haben :D

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    5. Gern geschehen. :D

      LG
      Stephan

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